Wormser Dom St. Peter

Ein stiller Zeuge der Geschichte und DAS Wahrzeichen der Stadt

Für nicht wenige Wormser bedeutet der Anblick des Wormser Doms St. Peter aus der Ferne, dass man zu Hause ist. Tatsächlich dominiert das rund 1000 Jahre alte Bauwerk das Stadtbild aus drei Himmelsrichtungen kommend. Lediglich wenn man sich vom Norden der Stadt nähert, erhebt der Dom sein stolzes Haupt erst sehr spät. Abgesehen von der Höhe des Bauwerks, die Osttürme ragen 65 Meter in die Höhe, liegt die optische Dominanz daran, dass der Dom auf der höchsten Stelle inmitten der Stadt errichtet wurde. Das ist natürlich nicht schwer in einer Stadt, deren geografische Lage gerade mal 86 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Entscheidung, den Dom an eben dieser Stelle zu bauen, hatte dabei weniger mit der Sichtbarkeit zu tun, sondern schlicht und ergreifend damit, dass man glaubte, an dieser Stelle vor Hochwasser geschützt zu sein. Wobei die Wormser Innenstadt aufgrund ihrer Entfernung zum Rhein nie von einem Hochwasser betroffen ist. Das war aber im Mittelalter anders, als der Rhein noch nicht begradigt war und sich mit seinen vielen Armen bis an die Stadtmauer schlängelte, an der heute das Nibelungenmuseum steht. 

Seit 1000 Jahre ein Ort von Macht und Glauben

Zusammen mit dem Mainzer Dom und dem Speyerer Dom gehört er zu den Kaiserdomen am Rhein. Insgesamt gibt es in Deutschland sieben Kaiserdome. Die Geschichte des Doms teilt sich in zwei Dekaden. Die erste beginnt mit dem Bau des Ur-Doms, also jenes Gotteshaus, das von dem einflussreichen Bischof Burchard in Auftrag gegeben wurde. Die zweite beginnt mit dem Neubau des selbigen, nur wenige 100 Jahre später. Im Jahr 1000 wurde Burchard zum Bischof von Worms ernannt. Er war der Meinung, dass die vorhandene Kirche weder groß genug noch zeitgemäß sei. Kurzerhand ließ er die dreischiffige Basilika abreisen. In gerade mal 15 Jahren wurde eine neue Kirche erbaut. Für die damalige Zeit ein extrem kurzer Zeitraum.  Die Konturen dieses „ersten Wormser Doms“ entsprachen dabei im Wesentlichen der Form des heutigen Doms. Burchard starb 1025. Sein Nachfolger Burchard II. sowie dessen Nachfolger Konrad II. ließen dieses Bauwerk wenige Jahre später Stück für Stück wieder abreißen, um ein neues, eindrucksvolleres Gotteshaus zu errichten. 1181 wurde der Dom St. Peter schließlich in der Form eingeweiht, wie man ihn auch heute noch kennt. Das stolze Bauwerk, das in seiner Stilfusion zwischen Gotik und Romanik eine ganz besondere Architektur aufweist, erlebte seitdem eine wechselvolle Geschichte. Kaiser wurden dort gekrönt oder verheiratet. Ebenso fand dort 1048 die Krönung des Papstes Leo IX. statt. 1521 widersetzte sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Theologe Martin Luther dem durch Kaiser und Papst verlangten Widerruf. 

Zerstörung und Aufbau

Immer wieder wurde der Dom zerstört und wieder aufgebaut. So wurde der Dom während des Dreißigjährigen Krieges 1618-1648 von den schwedischen Truppen stark beschädigt. Auch im Verlauf der Pfälzischen Eroberungskriege 1688-1697 verwüsteten und plünderten französische Truppen den Dom. Ein Versuch, den Dom zu sprengen, misslang, allerdings brannte er völlig aus. In Folge der Sanierung kamen schließlich zu dem romanisch-gotischen Bauwerk nun noch barocke Elemente im Innenraum hinzu. 1792 wurde Worms abermals von französischen Truppen belagert. Dieses Mal nutzte man den großzügigen Innenraum des Doms als Pferdestall und Lager. Von 1886 bis 1995 renovierte man den Dom grundlegend. Allerdings währte dies nicht Lange. Denn am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Dom Opfer eines Fliegerangriffs auf Worms. Jahre zuvor wurden bereits von den Nationalsozialisten die Domglocken entfernt, um sie für die Nutzung von Waffen einzuschmelzen. Erst zum 1000 jährigen Jubiläum 2018 erhielt der Dom dank spendabler Wormser/innen wieder sein vollständiges Glockenensemble zurück. Insgesamt acht Glocken, wovon fünf auf diese Spenden zurückgehen, geben dem Dom seinen unverkennbaren wuchtigen Klang. Wenn zu bestimmten Zeiten sich die Glocken der Dreifaltigkeitskirche sowie die der Magnuskirche hinzugesellen, erschallt in der Wormser Innenstadt ein wahrhaft imposantes Glockenkonzert, das so manchen Künstlern bereits den Auftritt erschwerte oder eine kurze Pause gewährte. 

Die Nibelungen und der Wormser Dom

Der Wormser Dom war in seiner wechselvollen Geschichte nicht nur ein Schauplatz für Bischöfe, Kaiser und Könige, sondern inspirierte auch einen unbekannten Dichter zu einer ikonischen Szene der Literaturgeschichte, nämlich dem „Königinnenstreit“ im weltberühmten Versepos „Nibelungenlied“. Glaubt man den Zeilen des Dichters trug sich auf der Nordseite des Doms am Kaiserportal der verhängnisvolle Streit zwischen Brünhild und Kriemhild zu. Im Kern geht es um die Rivalität der beiden Frauen in der Frage, wer mehr Bedeutung für das Burgunderreich trägt. Dieser Konflikt entbrennt, als beide auf dem Weg zum Gottesdienst sind. Auf den Stufen des Kaiserportals eskaliert dieser schließlich. Brünhild, die mit König Gunther verheiratet ist, beschimpft Kriemhild, sie sei eine unfreie Dienstmagd und Frau eines Leibeigenen, nämlich Siegfried. Kriemhild entgegnet schließlich erzürnt, dass ihr Mann Siegfried es war, der in der Hochzeitsnacht unerkannt Brünhild die Jungfräulichkeit nahm. Als Beweis dafür präsentiert sie Ring und Gürtel, welche Siegfried in jener Nacht in den Gemächern von Brünhild entwendete. Die Folgen dieses Streits sind für das Personal dieser Legende verheerend. Der gedemütigte Gatte Gunther beschließt mit seinen Brüdern und dem Getreuen Hagen die Ermordung Siegfrieds. Das führt wiederum zu „Kriemhilds Rache“, der nahezu alle wichtigen Figuren des Nibelungenlieds zum Opfer fallen. Zwischen Siegfriedbrunnen und Dom befindet sich heute auch eine Skulpturengruppe, die jene berühmte Szene nachstellt. Die teilweise vergoldeten Bronzefiguren, von Jens Nettlich entworfen, sind Teil einer Installation von 14 Objekten entlang der Nibelungen- und Siegfriedstraße. Der Dom selbst dient wiederum in der Zeit der Nibelungen-Festspiele als eindrucksvolle Kulisse. Nicht wenige Besucher/innen und Rezensenten/innen der Inszenierungen sehen in dem geschichtsträchtigen Bauwerk nicht einfach nur ein stimmungsvolles Bühnenbild, sondern erkennen darin auch eine dramaturgische Bedeutung, was auch dem einen oder anderen Schauspieler den nötigen Respekt abfordert, im Schatten dieser mächtigen Mauern zu spielen. 

 

Das Kaiserportal

Doch Kriemhild und Brünhild sind nicht die einzigen, die über diese bedeutungsvollen Stufen schritten. Unmittelbar vor dem Portal befand sich auch ein Gerichtsraum. Dort bestätigte Kaiser Friedrich I., deutlich bekannter unter dem Namenzusatz Barbarossa, 1184 der Stadt kaiserliche Privilegien in Form von Stadtrechten. Diese wurden wiederum 1074 verliehen. Eine große Ehre für die Bürger/innen dieser Stadt, da dies mit weitreichenden Freiheitsprivilegien verbunden war. In Erz gegossen, wurde diese Urkunde über dem Portal eingemauert. Ebenfalls den Zerstörungen zum Opfer gefallen, entwarf der Wormser Künstler Gustav Nonnemacher 1981 eine Innschrifttafel, die an diese bedeutungsvollen Moment erinnert und über dem Kaiserportal thront. Kaiser Friedrich, der oftmals mit Kaiserslautern in Verbindung gebracht wird, hegte eine besondere Beziehung zu Worms. Einer Stadt, die er nicht nur aufgrund des besonderen Klimas liebte. In der damaligen Kaiserstadt heiratete dieser auch seine Frau Beatrix von Burgund. Das Portal erreicht man über den Schlossplatz auf der Nordseite. Dort befindet sich auch einer drei Zugänge zu dem traumhaft schönen Heylshofpark. 

Der Dom ist auf den Hund gekommen

Wer vor dem Haupteingang auf der Südseite steht und seinen Blick über das Figurenensemble rund um den Eingangsbereich schweifen lässt, entdeckt eine Skulptur, die eigentlich ziemlich untypisch als Zierde einer Kirche ist. Zwischen all den Drachenköpfen, die das Böse vor dem Eindringen in das Gotteshaus abhalten sollen, sowie den Heiligen Figuren, befindet sich mittendrin ein Dackel, der mit neugierigen Blick über den Domplatz schaut. Diesen hat der Dombaumeister Philipp Brandt 1920 ein Denkmal gesetzt. Der Dackel war Brands ständiger Begleiter, auch bei den Arbeiten im Dom. Als Brand wieder einmal auf einem Gerüst stand, sprang dieser ihn plötzlich an und versuchte Brand ins Bein zu beißen. Der Baumeister sprang daraufhin zur Seite. Nur wenige Augenblicke später krachte unvermittelt ein Gesteinsbrocken herunter. Dieser verfehlte dank des beherzten Sprungs zur Seite den Mann. Der Dackel hatte also dem Dombaumeister das Leben gerettet und zum Dank dafür verewigte er den Hund am Südportal des Wormser Doms und sorgte bei seiner Entdeckung bis heute für belustigte Gesichter. An dieser Stelle möchte ich natürlich nicht verraten, wo genau der Dackel zu finden ist. Insofern wünsche ich allen Besuchern/innen viel Spaß beim Suchen. 

Mehr Informationen zu Besuchszeiten etc. finden Sie hier:
www.bistummainz.de/pfarrgruppe/worms-dom-st-peter/

Fotos: Dennis Dirigo