Das Wormser Kultur- und Veranstaltungsjahr 2022

Das Worms reich an Kultur und Geschichte ist, darauf habe ich in diesem Blog schon mehrfach hingewiesen. Doch Geschichte will auch gelebt werden! Ganz in diesem Sinne finden sich in Worms zahlreiche Feste und Kulturveranstaltungen, die mit der 2000 jährigen Stadthistorie verknüpft sind. Neben diesen, sagen wir mal Nischenveranstaltungen wie „wunderhoeren“, gibt es in der Stadt aber auch zahlreiche Veranstaltungen, die Jung und Alt gleichermaßen erfreuen können. Dazu gehört natürlich das größte Wein- und Volksfest am Rhein, das Backfischfest. Wer musikalische Zerstreuung sucht, dürfte bei Jazz & Joy gut aufgehoben sein und wer lieber sich mit der Wormser Weinkultur beschäftigen möchte, bekommt ebenfalls einiges geboten. Nachfolgend habe ich für interessierte Worms Besucher eine kleine Übersicht der wichtigsten und interessantesten Festen / Veranstaltungen erstellt und praktischerweise die dazugehörigen Links eingefügt:  

Vino et Musica vom 26. bis 28. Mai im Weingut Helmut Kloos

Helmut Kloos ist ein echtes Wormser Original. Nicht nur dass er der erste Winzer in der Nibelungenstadt war, der bereits in den frühen 90er Jahre seinen Betrieb auf ökologischen Weinanbau umstellte, vielmehr steht sein Name auch für Kultur und eine verschmitzten, oftmals skurrilen Humor. Beides begegnet einem bei einem Besuch des beliebten Hoffestes Vino et Musica. Neben der Jahrgangspräsentation der 2021er Weine, bietet der Winzer am Christi Himmelfahrt Wochenende ein abwechslungsreiches Musikprogramm zwischen Folk, Rock und Weltmusik. Eröffnet wird das Programm am Feiertag mit einer Weinprobe. An drei Abenden verwandelt sich schließlich das kleine Weingut in einer Open Air Konzert Arena. Selbstverständlich werden zu allen Programmpunkten kleine pfälzische und rheinhessische Köstlichkeiten von deftig bis leicht gereicht. Wer mehr von Helmut Kloos hören und schmecken möchte, hat in der Adventszeit auf der Nibelungen Weihnacht dazu die Gelegenheit. Dort betreibt er regelmäßig seine Glühweinbude, die ebenfalls von einem unterhaltsamen Programm inklusive eines Einhorn Karussells begleitet wird. 

Weitere Infos: www.weingut-kloos.de


Wormser Pfingstmarkt vom 3. bis 11. Juni auf dem Festplatz

Der Wormser Pfingstmarkt ist eine eigenwillige Hybridveranstaltung aus Jahrmarkt und Gewerbeschau. Auf dem Jahrmarktsteil, der auf der südlichen Hälfte des Festplatzes untergebracht ist, findet man die übliche Mischung aus Fahrgeschäften, Imbissstände, Gartenwirtschaften und Jahrmarktsbuden. Auf der nördlichen Hälfte ist wiederum die Messe untergebracht. Ungefähr 100 Aussteller teilen sich dort die rund 6.000 Quadratmeter große Fläche. Ein Großteil ist in Zelten untergebracht. Das Angebot reicht von Polstermöbeln bis hin zu Ersatzteilen für den Swimmingpool oder den neuesten Staubsauger. Auf der Freifläche präsentieren sich wiederum verschiedene Autohändler mit ihren neuesten Modellen. Erstmals wird es in diesem Jahr auch eine Wormser Händlermeile geben. Der Eintritt zur Gewerbeausstellung und zum Jahrmarkt ist frei. Während der Jahrmarkt bis 23 Uhr geöffnet ist, schließt der Gewerbeteil bereits um 21 Uhr. Im Übrigen hat selbst der Wormser Pfingstmarkt einen historischen Hintergrund. Da die Stadt durch Kaiser Friedrich II. bereits 1243 Marktrechte verliehen wurden, war es den Wormsern nun möglich, in der Zeit nach Ostern für zwei Wochen einen Jahrmarkt abzuhalten. Sein heutiges Gesicht erhielt der Markt wiederum 1972.

Infos: www.wormser-pfingstmarkt.de


Spectaculum vom 27. Bis 29. Mai im Wormser Wäldchen

Nachdem Mittelalterfreunde in den vergangenen zwei Jahren coronabedingt auf das bunte Treiben am Fuße des Äschebuckels verzichten mussten, soll der beliebte Mittelaltermarkt in diesem Jahr wieder seine Rückkehr feiern. Der Markt ist der größte in Deutschlands Südwesten. In normalen Zeiten finden rund 20.000 Menschen den Weg zu dem Mittelaltermarkt inmitten des Wormser Wäldchens. Geboten wird eine Mischung aus Händlermeile, selbstverständlich mit mittelalterlichen Produkten, Gauklermarkt, Open Air Festival (es gibt zwei Bühnen) und einem Zeltlager für Gewandete. Zudem werden publikumstauglich Feldschlachten inszeniert und Duelle mit Schwert und Morgenstern ausgetragen. Wer sich näher für die Lebensweise in mittelalterlichen Tagen interessiert, kann bei den verschiedenen Workshops fündig werden. Die meisten sind kostenfrei. Mittelalterliche Gewandung ist willkommen, aber nicht Pflicht bei diesem Eintauchen in eine andere Welt. Das Programm wird Anfang Mai bekanntgegeben. 

Weitere Infos (Programm, Zeiten, Preise, Corona Regeln etc.): https://www.spectaculum-worms.de


Nibelunge nei besunge — ein Dramödical des Wormser Liederkranz vom 24. bis 26. Juni in der Aula Hochschule Worms

Auch in diesem Jahr ist einmal mehr vielerorts Fastnacht ausgefallen, auch in Worms. Doch bekanntlich macht man ja gerne aus der Not eine Tugend. Und so hat der Wormser Liederkranz, einer der erfolgreichsten Fastnachtsvereine in Worms, kurzerhand beschlossen, aus der traditionellen Damensitzung einfach so eine Art Festspiele light in diesem Sommer zu machen. Wie sich das für einen Wormser Traditionsverein gehört, kommt auch dieser an dem Thema Nibelungen nicht vorbei. Geschrieben wird das Stück von regionalen Fastnachtsgrößen, die im Rahmen der Damensitzungen bereits erfolgreich unter Beweis stellten, dass sie das Talent besitzen, dem Publikum Tränen des Lachens in die Augen zu treiben. Da es sich um eine Mischung aus Drama, Komödie und Musical handelt, ist natürlich auch die musikalische Begleitung wichtig. Für die sorgt ebenfalls eine erfahrender Karnevalist, der Journalist (Mannheimer Morgen) und Musiker Bernhard Zinke. Das Dramödical interpretiert die Nibelungensage völlig neu und hält für den Zuschauer manche Überraschung bereit. Aktualität bekommt das Bühnenstück durch die dramatische weltpolitische Lage. Wer die Mitautorin Mechthild Vogel kennt, weiß, mit welch spitzer Feder sie brisantes satirisch auf den Punkt bringen kann. Rund 80 Aktive des Wormser Liederkranz zeigen mit Schauspiel, Gesang und Tanz, wie es auch anders gehen kann. Vielleicht sollten die Politiker dieser Welt ein Ticket lösen, um zu lernen, wie man die Welt ein ganzes Stückchen friedlicher machen kann. 

Die rund 2 1/2 stündige Theateraufführung findet am 24., 25. und 26. Juni 2022 in der Aula der Hochschule Worms statt. Beginn am Freitag und Samstag ist jeweils 19:30h, am Sonntag bereits um 17:30h. Zur Einstimmung auf den Abend wird bereits 1 1/2 Stunden vor Veranstaltungsbeginn und in der Pause ein Caterer für das leibliche Wohl sorgen. Im Saal findet wiederum keine Bewirtung statt. Die Tickets kosten 25 Euro und dürften sehr begehrt sein.

Tickets und weitere Infos: www.Wormser-Liederkranz.de  


Wormser Kulturnacht am 25. Juni in der Innenstadt

Für den Wormser Kulturkoordinator Dr. David Maier ist die Kulturnacht das schönste Festival in der Innenstadt, da es eine Veranstaltung von Wormser für Wormser und Besucher sei. Im Mittelpunkt stehen lokale Künstler/innen, denen die Möglichkeit geboten wird, an einem Abend an ungewöhnlichen Orten in der Innenstadt ihre Kunst zu präsentieren. Egal ob Malerei, Musik, Theater, Kino oder andere Ausdrucksarten, die Besucher erwartet nach zwei jähriger Pause mit Sicherheit wieder ein abwechslungsreiches Programm. Für Besucher bietet dieser Samstagabend von Kultur zudem die Möglichkeit, flanierend mit einem Wein in der Hand, die schönsten Ecken der Nibelungenstadt kennenzulernen. Die Veranstaltung beginnt in der Regel um 19 Uhr. In den vergangenen Jahren konnten Besucher/innen zwischen 30 Programmpunkten an ebenso vielen Orten wählen. Da sollte mit Sicherheit für jeden etwas dabei sein. Da die Veranstaltung kostenpflichtig ist, muss man vorher ein Bändchen an einer der Abendkassen oder im Vorverkauf erwerben. Mit dem hat man schließlich an allen Örtlichkeiten Zutritt. 

Infos: www.worms-erleben.de


Nibelungen-Festspiele vom 15. Juli bis 31. Juli 

Noch sind die Infos spärlich. Bekannt ist, dass die diesjährige Aufführung bereits 2020 seine Premiere hätte feiern sollen. Doch Corona machte den Planungen ein Strich durch die Rechnung. Nun soll die „hildensaga. ein königinnendrama“ am 15. Juli seine Premiere feiern. Die Zeichen stehen gut, nachdem die Veranstalter im vergangenen Jahr schon mal im Corona-Modus üben konnten. Zu hoffen bleibt, dass man diesen 2022 verlassen darf. Die Zuschauer erwartet ein Stück verfasst von dem österreichischen Dramatiker Ferdinand Schmalz. Wie der Titel schon suggeriert, stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Interpretation des bekannten Nibelungenliedes die beiden weichblichen Hauptfiguren Kriemhild und Brünhild. 

Zu den Darstellern war zum Zeitpunkt des Textes noch nichts bekannt. Üblicherweise ist die Besetzung jedoch eine Mischung aus bekannten Schauspieler/innen aus Film oder TV und weniger bekannten, aber renommierten Theaterdarstellern. In der Vergangenheit tummelten sich Größen wie Jürgen Prochnow, Klaus Maria Brandauer oder Uwe Ochsenknecht auf der Bühne vor dem Wormser Dom. Inszeniert wird das Stück von dem Schweizer Regisseur Roger Vontobel, der zu den Regiestars des deutschsprachigen Theaters gehört und Wormsern bestens in Erinnerung sein dürfte. Bereits 2018 inszenierte er „Siegfrieds Erben“ und begeisterte Presse wie Publikum gleichermaßen. Vontobel zeichnet sich durch eine opulente Bildersprache aus, die auch keine Scheu vor dem Einsatz aufwendiger Videotechnik hat. So brachte er mit einer gezielt eingesetzten Videoinstallation den ehrfürchtigen Dom vor den Augen des Publikums von „Siegfrieds Erben“ zum Erzittern. Auch in diesem Jahr möchte Vontobel das Auge ebenso beeindrucken wie den Verstand des Publikums. Für das Auge gibt es erneut technische Spielereien und eine aufwendige Wasserwelt zu Füßen des Doms. Die Wasserlandschaft wird mit variablen Stegen, gezielten Wassereffekten, Licht und Video permanent verändert. Mal ist es die ferne Wasserwelt von Island, mal wird sie zum opulenten Swimming-Pool der Nibelungen und schließlich zur mythischen Zauberwelt. Wie der dänische Bühnenbildner Palle Steen Christensen erklärt, ist das Wasser Projektionsfläche und Spiegel zugleich.

Begleitet werden die Festspiele von einem Kulturprogramm. Das Programm ist breit gefächert und reicht von Konzerten bis zu einem wissenschaftlichen Kolloquium der Nibelungenliedgesellschaft. Prominentester Gast im Begleitprogramm ist die Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabei, die bereits selbst im Hauptstück mitspielte und in diesem Jahr als Sängerin in Worms auftritt (30. Juli im Wormser Theater). Mit im Gepäck hat sie ihr drittes Album „Jagd auf Rehe“. Wer ein wenig mehr Informationen zu dem Hauptstück möchte, hat zweierlei Möglichkeiten. Wer sich vor dem Theaterbesuch von „hildensaga. ein königinnendrama“ zum Stück informieren möchte, hat dazu bei der Online-Einführung Gelegenheit. Bereits im vergangenen Jahr gab es die Erläuterungen zur Inszenierung ausschließlich digital, mit vielen positiven Rückmeldungen vom Publikum. Und auch in diesem Jahr wird die Einführung nur im Netz stattfinden und ist ab dem 15. Juli auf der Website www.nibelungenfestspiele.de abrufbar.

Eine weitere Möglichkeit bietet sich bei den Theaterbegegnungen. Wie der Name bereits verrät, setzt man hier auf echte Begegnungen und das am Sonntagmorgen nach der Premiere (17. Juli). Dann setzen sich im märchenhaften Ambiente des Heylshof Autor Ferdinand Schmalz, der künstlerische Leiter Thomas Lauer und eventuell auch Intendant Nico Hofmann zusammen, um über das Stück zu plaudern. Unter dem Namen „Perspektivwechsel“ diskutiert bei dieser entspannten Veranstaltung die Autorin Felicitas Hoppe mit. Hoppe veröffentlichte im letzten Herbst das vielfach gelobte Buch „Die Nibelungen. Ein deutscher Stummfilm“. Abgerundet wird der Vormittag durch musikalische Beiträge des Festspielensembles und der Präsentation eines Jugendworkshops. Dazwischen lädt die Veranstaltung im Park dazu ein, am frühen Sonntag entspannt zum Beispiel einen echten Wormser Riesling unter der Sommersonne zu gennießen. 

Familien können sich auf den Kinder- und Familientag (24. Juli) freuen. An diesem Tag muss sich muss sich die gediegene Festspielidylle im Park dem bunten Treiben der Kinder beugen. Theatervorstellungen, Basteln, Schminken, Walking Acts und Spielangebote versprechen einen hohen Spaßfaktor. Die Veranstaltung ist kostenlos. Tickets sind dennoch notwendig. Diese müssen vorher über den Ticket Service der Festspiele geordert werden. 

Infos und Tickets: www.nibelungenfestspiele.de 


Schlager Bäm am 16. Juli auf dem Festplatz / Rhein

Die Freunde von Schlagermusik sollten sich den 16. Juli 2022 ganz dick im Kalender anstreichen. Beim Schlager Bäm werden Szenegrößen wie DJ Ötzi, Kerstin Ott, Bernhard Brink oder Michelle auf dem Wormser Festplatz auftreten. Der Veranstalter rechnet derzeit mit knapp 5.000 Besuchern zu diesem besonderen Schlagertreffen. „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ von DJ Ötzi wird an diesem Abend ebenso aus Tausenden Kehlen begleitet werden wie „Die immer lacht“ von Kerstin Ott. Mit Bernhard Brink und Michelle sind zwei alte Showhasen genauso am Start wie Sonia Liebing und Undine Lux, mit denen der regionale Veranstalter Karl-Heinz Gauch die Zukunft des Deutschen Schlagers eingeladen hat. Weitere Überraschungen verspricht der Alzeyer für diesen Abend, den er bereits seit Längerem geplant hatte und der nun 2022 endlich umgesetzt werden soll. Los geht es an diesem Samstag im Juli um 17 Uhr. Einlass ist bereits um 15 Uhr. Sollte die Veranstaltung erfolgreich sein, möchte der Alzeyer den Schlager Bäm als Reihe in Worms etablieren. 

Ticket Informationen finden Sie hier: https://wo-magazin.de/das-lebern-feiern-mit-dem-schlager-baem/


Jazz & Joy vom 19. Bis 21. August 

Seit 31 Jahren gehört das Festival zu den regionalen Topfestivals. Wie der Name schon verrät, spielt Jazz eine nicht ganz unwichtige Rolle. Dominiert wird das Programm allerdings vom Joy. Der war zuletzt sicherlich etwas eingeschränkt. So sorgte Corona dafür, dass das Festival 2020 pausieren musste. Im vergangen Jahr konnte Jazz & Joy wieder unter Corona Bedingungen stattfinden. Für die Organisatoren Glück und Last zugleich. Einerseits konnte man Musikern die Möglichkeit bieten, wieder vor Publikum zu spielen, andererseits litt die Atmosphäre und die Einnahmen unter den zahlreichen Vorgaben wie ein reduziertes Platzkontingent, Stuhl- und Maskenpflicht und dem Umstand, dass man nicht zwischen den Bühnen, von denen es ohnehin nur zwei gab, pendeln konnte. In diesem Jahr wollen die Veranstalter wieder zur alten Form zurückkehren. Das heißt, fünf Bühnen verteilt rund um den Wormser Dom. Ebenso soll wieder das Flanieren zwischen den Bühnen möglich sein. Begleitet wird das Flanieren von zahlreichen Gastronomen, die Wein und andere Köstlichkeiten auch außerhalt der Festivalbühnen anbieten, sodass auch Personen ohne Ticket das Festivalflair genießen können. Die größte Bühne befindet sich auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Dort findet auch am ersten Festivaltag das Sonderkonzert statt (das Ticket ist nicht im 3-Tages-Jazz & Joy-Ticket enthalten). Bespielt wird die Bühne in diesem Jahr von der deutschsprachigen Popband Silbermond. Die versprechen wiederum ein mitreißendes Liveerlebnis.  

Tickets und Infos: www.jazzandjoy.de


Backfischfest vom 27. August bis 4. September

Für nicht wenige Wormser ist es der definitive Jahreshöhepunkt, das Wormser Backfischfest. Zugleich ist es das größte Fest entlang des Rheins, das Volksfest und Weinfest miteinander kombiniert. Für Weinfreunde sind beliebte Anlaufpunkte der Wonnegauer Weinkeller, in dem sich rund 50 rheinhessische Winzer mit ihren Rebensäften versammeln, und der Stiftskeller, der ebenfalls eine stattliche Zahl von Weinen aus Rheinhessen, aber auch aus der Pfalz präsentiert. Der Wonnegauer Weinkeller, der in einem Zelt untergebracht ist, fast knapp 2.000 Besucher. Das bedeutet in normalen Zeiten, dass es insbesondere am Wochenende in dem Zelt sehr voll ist. Man darf getrost davon ausgehen, dass in Zeiten von Corona die Zahl des Publikums etwas kleiner ausfallen dürfte. Neben köstlichen Weinen lockt der „Weinkeller“ auch mit Live Musik und DJ Partys, bei denen das ein oder andere Paar im Laufe des Abends schon zueinander gefunden haben soll. Der Festplatz selbst wird zusätzlich gesäumt von Fahrgeschäften, inklusive des für das Backfischfest obligatorischen Riesenrades, Jahrmarktsbuden wie Dosen- oder Pfeilewerfen sowie einer vielfältigen Gastronomie. Selbstverständlich gehört auf einem Backfischfest auch ein ordentlicher Backfisch, den man in der Fischbraterei unweit des Weinkellers bekommt. Das Wort Backfisch hat in Bezug auf das Fest eine doppelte Bedeutung. Einmal bezieht es sich auf die Fischerzunft, die in Worms am Rhein in früheren Jahren stark vertreten war, andererseits bezieht sich das Wort auf junge, hübsche Frauen. So gibt es auch in jedem Jahr eine offizielle Backfischbraut. Die ist wiederum an der Seite des „Bojemääschters vun de Fischerwääd“ zu finden. Die Fischerwääd, es gibt eigentlich zwei davon, nämlich die Große und die Kleine, ist wiederum eine Straße, in der einst hauptsächlich Fischer lebten. Heute steht die Straße, die in unmittelbarer Nähe des Festplatzes ist, für das Brauchtum jener Zunft. Ein Museum in der Großen Fischerweide (so heißt sie im ordentlichen Amtsdeutsch) erinnert an diese für Worms wichtige Berufsgruppe. An einem Tag, nämlich am Backfischfest Mittwoch, wird in dieser Straße auch die Fischerwääderkerb gefeiert. Zum Begleitprogramm des Zehn-Tages-Festes gehört neben dieser Kerb auch ein aufwendiger Umzug am ersten Sonntag, der durch die gesamte Innenstadt läuft und in der Fischerwääd endet. Beschlossen wird das Backfischfest am letzten Sonntag durch ein visuell berauschendes Feuerwerk über dem Rhein. 

Infos unter: www.backfischfest.de 


Fest der Kulturen am 17. September 

Auch das einzige Fest in der Stadt, das dem multikulturellen Worms ein Gesicht gibt, musste sich dem Virus beugen und findet in diesem Jahr nach zwei jähriger Abstinenz wieder an seinem angestammten Platz am Obermarkt statt. Veranstaltet wird dieses Treffen der Kulturen vom „Interkulturellen Runden Tisch“. Neben allerlei Leckereien der teilnehmenden Verbände gibt es dort jede Menge Informationen und ein kleines, aber feines Kulturprogramm. Gerade in einer Stadt wie Worms, deren Migrationshintergrund in der Bevölkerung bei mittlerweile rund 30 Prozent liegt, kommt diesem Fest eine besondere Bedeutung zu, denn der Schlüssel zu einem friedliche Miteinander liegt im Verständnis für die andere Kultur und die kann man dort kennenlernen. 


Wormser Weinmesse am 5. Und 6. November im Wormser Tagungszentrum 

Wie in meinem Blog an anderer Stelle erwähnt ist Worms die drittgrößte weinbautreibende Gemeinde in Deutschland und Rheinhessen wiederum das größte Anbaugebiet. Was liegt also näher, viele Winzer einem Ort zu versammeln, um gemeinsam den Menschen einen Überblick auf die vielfältigen Erzeugnisse zu gewähren. Beim Überblick soll es aber nicht bleiben, denn das Probieren kann durch keine Broschüre und keine Unterhaltung ersetzt werden. Doch Vorsicht, wer den Ehrgeiz hat, alle Weine kennenzulernen, sollte zuvor gut gespeist haben. Bei rund 30 Winzern und dementsprechend rund 300 bis 350 Weinen im Angebot, ist es nahezu unmöglich, eine Gesamtübersicht zu bekommen. Viele Besucher entscheiden sich daher für einen zweitägigen Besuch der Messe. Während der Samstag den Weißweinen gehört, widmet man sich am Sonntag ausgiebig den Rotweinen und Rosés. 

Infos unter: www.weinstadt-worms.de


Nibelungen Weihnacht Ende November bis zum 23. Dezember in der Innenstadt

Mit den Nibelungen hat der Weihnachtsmarkt eigentlich nicht viel zu tun, außer dass er im Herzen der Nibelungenstadt stattfindet. Da die Nibelungen aber nun mal untrennbar mit der Stadt verbunden sind, hielten es die städtischen Verantwortlichen für eine gute Idee, dem Markt vor ein paar Jahren einen neuen Namen zu verpassen. Rund 50 Buden schlängeln sich durch die Innenstadt. Wie in anderen Städten gibt es auch hier die bewährte Mischung aus Glühwein, Bratwurst und allerlei Händler, die mal mehr, mal weniger weihnachtliches  anbieten. Ein interessanter Hingucker sind die sogenannten Wechselbuden. Die können von Vereinen, Geschäfts- oder auch Privatleuten angemietet werden und garantieren zwischen Stricksocken und Duftkerzen ein gewisses Maß an Abwechslung. Was man auf keinen Fall versäumen sollte, ist ein Besuch bei dem Öko-Winzer Helmut Kloos (siehe auch Vino et Musica). Dieser schenkt nicht einfach seinen Glühwein aus. Nein, Helmut Kloos lebt diesen Markt. So lässt er sich in jedem Jahr eine Rahmengeschichte für seine Bude einfallen, die auf amüsante Art und Weise aktuelle Themen aufgreift. Kultverdächtig sind seine Handpuppen (!) die Glühweingretel und Frau Kuddelmuddel, die auch gerne mal mit den Gästen einen kleinen Plausch abhalten. Kloos sorgt mit Konzerten, kleinen Lesungen oder dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern für ein buntes und abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Highlight ist natürlich der würzige Bio Glühwein, der direkt vor Ort angesetzt wird und somit an Frische nicht zu toppen ist. Der Glühwein ist in Weiß und Rot erhältlich. Wer es alkoholfrei mag, sei der Wunschpunsch wärmstens empfohlen. Während die meisten Glühwein Gastronomen als alkoholfreie Variante erwärmte Säfte verkaufen, ist auch der Wunschpunsch eine dem Glühwein ebenbürtige Kreation, dessen Rezept der Winzer natürlich nicht verrät. Der größte Glühweintreff befindet sich wiederum auf dem Obermarkt vor dem Amtsgericht. Dort bieten zwei Schaustellerfamilien ihre wärmenden Getränke an. Hier setzt man weniger auf Kultur. Im Mittelpunkt steht eher eine Apres Ski Stimmung, sodass es für jeden Weihnachtsmarktbesucher möglich sein sollte, ein besinnliches Plätzchen für unterschiedliche Ansprüche zu finden. 


Jüdische Kulturtage

Unbekannt sind ebenfalls dieTermine und Inhalte der diesjährigen „Jüdischen Kulturtage“, die auch unter dem Namen „SchUM-Kulturtage“ zu finden sind. Dieser Reihe, die es seit ein paar Jahren gibt, kommt nach der Aufnahme in die Unesco Welterbe Liste eine ganz besondere Bedeutung zu. Denn schließlich reicht es nicht, das historische Erbe zu verwalten, sondern es soll auch mit Leben gefüllt werden. Dazu gehörte im vergangenen Jahr die Veröffentlichung eines zweiten Buches zu den in Worms verlegten „Stolpersteine“ oder die eindrucksvolle Dauerlesung „Ich will Zeugnis ablegen…“ mit regional bekannten Rezitator Karl-Heinz Deichelmann. Man darf also gespannt sein, was dieses kleine, aber feine Kulturfestival in diesem Jahr zu bieten hat. 

 

Infos: https://schumstaedte.de/schum/juedische-kulturtage/


Wunderhoeren – Tage alter Musik und Literatur

In einer der ältesten Städte Deutschlands ist es natürlich Pflicht, neben einem Mittelaltermarkt für die Massen, auch auf mittelalterliche Kultur aufmerksam zu machen. Seit 2011 gewährt das Nischenfestival alle zwei Jahre einen Ausflug in mittelalterliche Kompositions- und Schreibkunst. Das heißt nicht, dass es nur Minnegesang bei den Konzerten zu hören gibt, denn die Veranstalter scheuen auch nicht den Crossover zwischen Genres und Epochen, sodass auch zeitgemäße Interpretationen der Thematik zu Gehör kommen. Ein konkretes Programm gibt es nicht. Fünf Veranstaltungen sind in über das Jahr verteilt geplant. 

Weitere Infos:  www.wunderhoeren.de


Sonderausstellung 900 Jahre Wormser Konkordat im Museum im Andreasstift

Es geht zu den magischen Jahreszahlen, die man im Geschichtsunterricht lernt und nie wieder vergisst, das Wormser Konkordat 1122. Dieses ist auch als direkte Folge des historisch ebenso berühmten „Gang nach Canossa“ zu verstehen. Vom 24. September bis 30. Dezember 2022 soll die Geschichte des Investiturstreites „modern und spielerisch“ präsentiert werden. Im mittelalterlichen Europa stritten der Kaiser und der Papst um die Vorherrschaft – ein Kampf um die Macht, der in Worms begann und dort auch endete: Mit dem Wormser Konkordat wurde der Konflikt beigelegt. 

Bevor die Sonderausstellung eröffnet, wird am 30. April und 1. Mai die Dauerausstellung, deren Hauptthema die Geschichte der Stadt Worms ist, wiedereröffnet. Ein Museumswochenende lädt Interessierte bei kostenlosen Eintritt in die Gemäuer des rund 1000 Jahre alten Gebäudes. Der Altertumsverein, dem ein Großteil der historischen Sammlung des Museums gehört, bietet darüber hinaus an diesem Wochenende Führungen an. Danach ist die Ausstellung zu den normalen Öffnungszeiten des Museums besuchbar.  

Infos: https://www.museum-andreasstift.de/museum-andreasstift/

Wormser Dom St. Peter

Ein stiller Zeuge der Geschichte und DAS Wahrzeichen der Stadt

Für nicht wenige Wormser bedeutet der Anblick des Wormser Doms St. Peter aus der Ferne, dass man zu Hause ist. Tatsächlich dominiert das rund 1000 Jahre alte Bauwerk das Stadtbild aus drei Himmelsrichtungen kommend. Lediglich wenn man sich vom Norden der Stadt nähert, erhebt der Dom sein stolzes Haupt erst sehr spät. Abgesehen von der Höhe des Bauwerks, die Osttürme ragen 65 Meter in die Höhe, liegt die optische Dominanz daran, dass der Dom auf der höchsten Stelle inmitten der Stadt errichtet wurde. Das ist natürlich nicht schwer in einer Stadt, deren geografische Lage gerade mal 86 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Entscheidung, den Dom an eben dieser Stelle zu bauen, hatte dabei weniger mit der Sichtbarkeit zu tun, sondern schlicht und ergreifend damit, dass man glaubte, an dieser Stelle vor Hochwasser geschützt zu sein. Wobei die Wormser Innenstadt aufgrund ihrer Entfernung zum Rhein nie von einem Hochwasser betroffen ist. Das war aber im Mittelalter anders, als der Rhein noch nicht begradigt war und sich mit seinen vielen Armen bis an die Stadtmauer schlängelte, an der heute das Nibelungenmuseum steht. 

Seit 1000 Jahre ein Ort von Macht und Glauben

Zusammen mit dem Mainzer Dom und dem Speyerer Dom gehört er zu den Kaiserdomen am Rhein. Insgesamt gibt es in Deutschland sieben Kaiserdome. Die Geschichte des Doms teilt sich in zwei Dekaden. Die erste beginnt mit dem Bau des Ur-Doms, also jenes Gotteshaus, das von dem einflussreichen Bischof Burchard in Auftrag gegeben wurde. Die zweite beginnt mit dem Neubau des selbigen, nur wenige 100 Jahre später. Im Jahr 1000 wurde Burchard zum Bischof von Worms ernannt. Er war der Meinung, dass die vorhandene Kirche weder groß genug noch zeitgemäß sei. Kurzerhand ließ er die dreischiffige Basilika abreisen. In gerade mal 15 Jahren wurde eine neue Kirche erbaut. Für die damalige Zeit ein extrem kurzer Zeitraum.  Die Konturen dieses „ersten Wormser Doms“ entsprachen dabei im Wesentlichen der Form des heutigen Doms. Burchard starb 1025. Sein Nachfolger Burchard II. sowie dessen Nachfolger Konrad II. ließen dieses Bauwerk wenige Jahre später Stück für Stück wieder abreißen, um ein neues, eindrucksvolleres Gotteshaus zu errichten. 1181 wurde der Dom St. Peter schließlich in der Form eingeweiht, wie man ihn auch heute noch kennt. Das stolze Bauwerk, das in seiner Stilfusion zwischen Gotik und Romanik eine ganz besondere Architektur aufweist, erlebte seitdem eine wechselvolle Geschichte. Kaiser wurden dort gekrönt oder verheiratet. Ebenso fand dort 1048 die Krönung des Papstes Leo IX. statt. 1521 widersetzte sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Theologe Martin Luther dem durch Kaiser und Papst verlangten Widerruf. 

Zerstörung und Aufbau

Immer wieder wurde der Dom zerstört und wieder aufgebaut. So wurde der Dom während des Dreißigjährigen Krieges 1618-1648 von den schwedischen Truppen stark beschädigt. Auch im Verlauf der Pfälzischen Eroberungskriege 1688-1697 verwüsteten und plünderten französische Truppen den Dom. Ein Versuch, den Dom zu sprengen, misslang, allerdings brannte er völlig aus. In Folge der Sanierung kamen schließlich zu dem romanisch-gotischen Bauwerk nun noch barocke Elemente im Innenraum hinzu. 1792 wurde Worms abermals von französischen Truppen belagert. Dieses Mal nutzte man den großzügigen Innenraum des Doms als Pferdestall und Lager. Von 1886 bis 1995 renovierte man den Dom grundlegend. Allerdings währte dies nicht Lange. Denn am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Dom Opfer eines Fliegerangriffs auf Worms. Jahre zuvor wurden bereits von den Nationalsozialisten die Domglocken entfernt, um sie für die Nutzung von Waffen einzuschmelzen. Erst zum 1000 jährigen Jubiläum 2018 erhielt der Dom dank spendabler Wormser/innen wieder sein vollständiges Glockenensemble zurück. Insgesamt acht Glocken, wovon fünf auf diese Spenden zurückgehen, geben dem Dom seinen unverkennbaren wuchtigen Klang. Wenn zu bestimmten Zeiten sich die Glocken der Dreifaltigkeitskirche sowie die der Magnuskirche hinzugesellen, erschallt in der Wormser Innenstadt ein wahrhaft imposantes Glockenkonzert, das so manchen Künstlern bereits den Auftritt erschwerte oder eine kurze Pause gewährte. 

Die Nibelungen und der Wormser Dom

Der Wormser Dom war in seiner wechselvollen Geschichte nicht nur ein Schauplatz für Bischöfe, Kaiser und Könige, sondern inspirierte auch einen unbekannten Dichter zu einer ikonischen Szene der Literaturgeschichte, nämlich dem „Königinnenstreit“ im weltberühmten Versepos „Nibelungenlied“. Glaubt man den Zeilen des Dichters trug sich auf der Nordseite des Doms am Kaiserportal der verhängnisvolle Streit zwischen Brünhild und Kriemhild zu. Im Kern geht es um die Rivalität der beiden Frauen in der Frage, wer mehr Bedeutung für das Burgunderreich trägt. Dieser Konflikt entbrennt, als beide auf dem Weg zum Gottesdienst sind. Auf den Stufen des Kaiserportals eskaliert dieser schließlich. Brünhild, die mit König Gunther verheiratet ist, beschimpft Kriemhild, sie sei eine unfreie Dienstmagd und Frau eines Leibeigenen, nämlich Siegfried. Kriemhild entgegnet schließlich erzürnt, dass ihr Mann Siegfried es war, der in der Hochzeitsnacht unerkannt Brünhild die Jungfräulichkeit nahm. Als Beweis dafür präsentiert sie Ring und Gürtel, welche Siegfried in jener Nacht in den Gemächern von Brünhild entwendete. Die Folgen dieses Streits sind für das Personal dieser Legende verheerend. Der gedemütigte Gatte Gunther beschließt mit seinen Brüdern und dem Getreuen Hagen die Ermordung Siegfrieds. Das führt wiederum zu „Kriemhilds Rache“, der nahezu alle wichtigen Figuren des Nibelungenlieds zum Opfer fallen. Zwischen Siegfriedbrunnen und Dom befindet sich heute auch eine Skulpturengruppe, die jene berühmte Szene nachstellt. Die teilweise vergoldeten Bronzefiguren, von Jens Nettlich entworfen, sind Teil einer Installation von 14 Objekten entlang der Nibelungen- und Siegfriedstraße. Der Dom selbst dient wiederum in der Zeit der Nibelungen-Festspiele als eindrucksvolle Kulisse. Nicht wenige Besucher/innen und Rezensenten/innen der Inszenierungen sehen in dem geschichtsträchtigen Bauwerk nicht einfach nur ein stimmungsvolles Bühnenbild, sondern erkennen darin auch eine dramaturgische Bedeutung, was auch dem einen oder anderen Schauspieler den nötigen Respekt abfordert, im Schatten dieser mächtigen Mauern zu spielen. 

 

Das Kaiserportal

Doch Kriemhild und Brünhild sind nicht die einzigen, die über diese bedeutungsvollen Stufen schritten. Unmittelbar vor dem Portal befand sich auch ein Gerichtsraum. Dort bestätigte Kaiser Friedrich I., deutlich bekannter unter dem Namenzusatz Barbarossa, 1184 der Stadt kaiserliche Privilegien in Form von Stadtrechten. Diese wurden wiederum 1074 verliehen. Eine große Ehre für die Bürger/innen dieser Stadt, da dies mit weitreichenden Freiheitsprivilegien verbunden war. In Erz gegossen, wurde diese Urkunde über dem Portal eingemauert. Ebenfalls den Zerstörungen zum Opfer gefallen, entwarf der Wormser Künstler Gustav Nonnemacher 1981 eine Innschrifttafel, die an diese bedeutungsvollen Moment erinnert und über dem Kaiserportal thront. Kaiser Friedrich, der oftmals mit Kaiserslautern in Verbindung gebracht wird, hegte eine besondere Beziehung zu Worms. Einer Stadt, die er nicht nur aufgrund des besonderen Klimas liebte. In der damaligen Kaiserstadt heiratete dieser auch seine Frau Beatrix von Burgund. Das Portal erreicht man über den Schlossplatz auf der Nordseite. Dort befindet sich auch einer drei Zugänge zu dem traumhaft schönen Heylshofpark. 

Der Dom ist auf den Hund gekommen

Wer vor dem Haupteingang auf der Südseite steht und seinen Blick über das Figurenensemble rund um den Eingangsbereich schweifen lässt, entdeckt eine Skulptur, die eigentlich ziemlich untypisch als Zierde einer Kirche ist. Zwischen all den Drachenköpfen, die das Böse vor dem Eindringen in das Gotteshaus abhalten sollen, sowie den Heiligen Figuren, befindet sich mittendrin ein Dackel, der mit neugierigen Blick über den Domplatz schaut. Diesen hat der Dombaumeister Philipp Brandt 1920 ein Denkmal gesetzt. Der Dackel war Brands ständiger Begleiter, auch bei den Arbeiten im Dom. Als Brand wieder einmal auf einem Gerüst stand, sprang dieser ihn plötzlich an und versuchte Brand ins Bein zu beißen. Der Baumeister sprang daraufhin zur Seite. Nur wenige Augenblicke später krachte unvermittelt ein Gesteinsbrocken herunter. Dieser verfehlte dank des beherzten Sprungs zur Seite den Mann. Der Dackel hatte also dem Dombaumeister das Leben gerettet und zum Dank dafür verewigte er den Hund am Südportal des Wormser Doms und sorgte bei seiner Entdeckung bis heute für belustigte Gesichter. An dieser Stelle möchte ich natürlich nicht verraten, wo genau der Dackel zu finden ist. Insofern wünsche ich allen Besuchern/innen viel Spaß beim Suchen. 

Mehr Informationen zu Besuchszeiten etc. finden Sie hier:
www.bistummainz.de/pfarrgruppe/worms-dom-st-peter/

Fotos: Dennis Dirigo

Blick vom Äschebuckel

Wormser Naherholungsgebiet Wäldchen

Im Süden der Stadt liegt der Wormser Stadtpark, der auch über die Rheinpromenade gut zu erreichen ist. 28 Hektar ist das Areal groß. Kleine Wald ähnliche Parkanlagen haben dem Park seinen umgangssprachlichen Namen gegeben, das Wormser Wäldchen. Neben den zahllosen Flanierwegen lädt am Eingang des Wäldchens ein abwechslungsreicher Spielplatz Familien zum Verweilen ein. Für sportbegeisterte Jugendliche gibt es zudem einen kleinen Skaterpark. Zum Wäldchen gehört auch der hübsch angelegte Tiergarten Worms. 

Wer sich auf dem Weg zum selbigen befindet, kommt womöglich an zwei Sitzbänken vorbei, die einen prominenten Spender haben. Als 2018 Jimi Blue Ochsenknecht, der Sohn von Uwe Ochsenknecht, in dem Stück „Siegfrieds Erben“ bei den Nibelungen-Festspiele mitspielte, ließ es sich der Jungstar nicht nehmen, zwei Parkbänke für den idyllischen Stadtpark zu spenden, die am Fuße des Äschebuckels, der höchsten Erhebung im Wormser Wäldchen, stehen. Seine Liebe zu dem idyllischen Stadtpark entdeckte er während seiner morgendlichen Joggingrunden und beim Gassigehen mit seinen Hunden.

Einmal im Jahr verwandelt sich übrigens die Fläche vor besagtem Äschebuckel in einen imposanten Mittelaltermarkt. Traditionell am Christi Himmelfahrt Wochenende lädt das „Spectaculum“ zu einer bunten Reise in das Mittelalter. Zahlreiche Gewandete bieten Waren feil, während auf zwei Bühnen ein facettenreiches Konzertprogramm lockt und an den Imbissbuden typisch mittelalterliche Leckereien zum Schlemmen verführen. Selbstverständlich muss man aber auch nicht auf eine Bratwurst verzichten. Ein oder zwei Gläschen Met sind natürlich selbstverständlich. Musikalisch reicht das Bühnenprogramm vom klassischen Minnegesang bis hin zu modern interpretierten Mittelalterrock.

Das „Spectaculum“ gilt als größter und schönster Mittelaltermarkt in Südwest Deutschland. Nachdem er 2020 und 2021 Corona bedingt ausfallen musste, steht er für 2022 wieder fest im Terminkalender der Stadt Worms.

Tiergarten Worms

Der kleine, aber feine Tiergarten ist ein Paradies für zahlreiche Tiere und natürlich den Gästen. Die Anlagen sind selbstverständlich artengerecht angelegt. Das Hauptaugenmerk liegt auf heimische Tiere, so gehören die Wildschweine in ihrem riesigen Gehege ebenso zu den Besucherlieblingen wie die Füchse oder kräftigen Ackergäule.

Die absoluten Topfavoriten dürften allerdings die nordamerikanischen Erdmännchen sein, dicht gefolgt von den neugierigen Kattas, die auch gerne mal für ein Foto gemeinsam mit dem Besucher posieren. Im Australiengehege kann es einem wiederum passieren, dass ein Känguru einem über den Weg hüpft oder die Papageien um die Ohren segeln.

Ein integrativer Spielplatz und ein Café nebst Teichanlage runden den Ausflug in das kleine Tierreich ab. 

www.tiergarten-worms.de

 

Bürgerweide

Wer sich im Wäldchen weiter Richtung Süden bewegt, stößt irgendwann auf eine riesige Freifläche, der Bürgerweide. Die Bürgerweide hat eine Größe von insgesamt 70 ha und ist eigentlich ein natürliches Überflutungsgebiet des Rheins.

Umarmt wird die Weide von einem gut ausgebauten Weg, der rund 2,5 Kilometer lang ist und insbesondere bei Joggern und Skatern sehr beliebt ist. Auf der Weide selbst befindet sich das Spielfeld des Wormser Baseball Vereins Cannibals. Die angrenzende Wiese wird in den warmen Monaten von Wormsers gerne zum picknicken oder gemeinsamen Sport genutzt. 

 

 

Wormser Sandbank

Das Wormser Wäldchen wird im Süden begrenzt von einem kleinen Parkplatz. Radwege führen von dort in den weiteren Süden von Rheinland-Pfalz Richtung Bobenheim-Roxheim und schließlich Ludwigshafen. Ein Fußweg Richtung Rhein führt die Besucher wiederum an die sogenannte Sandbank. Dabei ist der Name ein wenig irreführend, ist es doch ein Kies und Muschelstrand. An sonnigen Tagen lockt der rund 1 Kilometer lange Rheinstrand zahlreiche Menschen ans Wasser und suchen Erfrischung im kalten Nass. Doch Vorsicht, denn der Rhein verfügt über eine starke Strömung und Strudeln, und ist zudem stark befahren.

Grillen ist dort offiziell zwar nicht erlaubt, dennoch verbinden viele ihren Kurzurlaub am Rhein mit ein paar frisch gegrillten Würstchen und einem gut gekühlten Bier. Leider passiert es immer wieder, dass Besucher/innen im Anschluss ihren Müll vor Ort liegen lassen. Das ist nicht nur ästhetisch sehr unschön, sondern schlicht und ergreifend respektlos der Natur und anderen Menschen gegenüber, zumal es sich bei diesem Landschaftsareal um ein Naturschutzgebiet handelt. Also bitte lieber potentiellen Besucher/innen: Nichts spricht gegen eine schöne Zeit in schöner Landschaft. Aber immer daran denken, schön den Müll wieder mitnehmen oder ordentlich in einem Mülleimer zu entsorgen!

Errante Vinothek und Restaurant – Genießen wie ein junger Römer in Worms

In einer Stadt, die geprägt ist vom römischen Erbe, dem Wein, und die als das Tor zur deutschen Toskana bezeichnet wird, ist eine Vinothek, die genau dieses Erbe in den Mittelpunkt stellt, unabdinglich. Die Mischung, die der Gast in den Räumlichkeiten vorfindet, ist in Worms einzigartig: Lebensmittelmarkt trifft Vinothek trifft Restaurant!

Gekoppelt mit einem Lebensmittelmarkt, der selbstverständlich ausgesuchte italienische Produkte anbietet, kann man sozusagen nach dem Besuch des Restaurants seine Lieblingszutaten bzw. Lieblingswein direkt einpacken und zuhause das Italienerlebnis noch einmal in den heimischen vier Wänden genießen. Original ist es natürlich nur im entsprechenden Ambiente der Errante Vinothek.

Man sitzt förmlich in einem Meer von Weinen, die den Eindruck erwecken, ganz Italien hätte in diesen vier Wänden Einzug gehalten. Man kann zwischen Proseccos, Grappas und italienischen Limonaden wählen, genießt den aromatischen Duft erlesener Olivenöle von der Toskana bis nach Sizilien oder lässt sich verführen von italienischer Kaffeekunst.

Inspiriert vom überwältigenden Angebot greift man einfach ins Regal, nimmt sich die Flasche seiner Wahl, schlendert mit mediterraner Lässigkeit zur Bar, an der man etwas zum Essen bestellt, empfohlen seien hier stellvertretend die unschlagbar köstlichen Antipasti-Platten, sucht sich einen Platz in den gemütlichen Innenräumen oder auf der Sommerterrasse umringt von Olivenbäumen und genießt einfach das dolche Vita italienischer Lebensart.

Das Besondere, bei den Weinen zahlt man lediglich den Regalpreis plus ein sogenanntes Korkgeld von 5 Euro für den Genuss vor Ort. Um das Angebot zu komplettieren gibt es regelmäßig kulinarische Events oder auch After-Work-Partys, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

 

Der Wormser Westen: Herrnsheimer Schloss und Schlosspark

Immer einen Ausflug wert ist das Schloss Herrnsheim nebst seinem romantisch-verträumten Schlosspark. Während der Park frei zugänglich ist, muss man für einen Blick in das Schloss auf eine Führung zurückgreifen. Das Schloss liegt am nördlichen Ende des Stadtteils Herrnsheim, der vom Weinbau geprägt ist. Das Schloss wiederum steht auf den Überresten einer 1490 angelegten Burg. Gegen 1715 erfolgte der Bau des Empire-Schlosses, das 1805 seine heute bekannte Barockeform erhielt. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte es mehrmals die Besitzer, ehe 1958 die Stadt Worms Eigentümer wurde. Derzeit wird das Schloss aufwendig saniert, sodass Führungen nur eingeschränkt möglich sind.

Dennoch ist das elegante Schloss ein beliebtes Ausflugsziel. Mal um vor der imposanten Kulisse Fotos zu schießen oder mal, um in dem Café Kabinett, das in das Schloss integriert ist, eine kleine Auszeit zu genießten. Eine Außenbestuhlung im Schlosshof lädt auch zum Kaffeegenuss unter Rheinhessens Sonne. Bei so viel Entspannung sollte man natürlich nicht vergessen, dem Schlosspark einen Besuch abzustatten. Geplant wurde der 10 Hektar große Park von dem berühmten Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell im Jahre 1790. Sckell ist auch der verantwortliche Landschaftsarchitekt für den Englischen Garten in München und dem Garten des Schloss Nymphenburg. Seine Ausbildung genoss er wiederum im Schloss Schwetzingen.

Abseits des Alltags laden verschlungene Wege zum Träumen ein. Wiesenflächen im Wechsel mit kleinen Waldstücken, ein weitläufiger Teich, der von barock verspielten Brücken gequert und verteilt über den Park liebevoll gestaltete Statuen verführen in ein kleines Märchenparadies, in dem die Zeit ein klein wenig stehenbleibt. Die Grünanlage ist die bedeutendste Englische Gartenanlage in Rheinland-Pfalz. Das Schloss zählt wiederum zu den herausragenden Empire-Schlössern im Südwesten.  

Wormser Rheinpromenade

Es gibt sicherlich Städte am Rhein, die über eine deutlich längere Promenade verfügen, dennoch lädt die durch Hafenanlagen begrenzte Promenade am Rheinufer zum gemütlichen Flanieren und entspannten Verweilen ein. Abwechslungsreiche Gastronomie (einen kräftigen Schluck ist auf jeden Fall das selbstgebraute Bier der Gaststätte Hagenbräu wert), die romantisch-pittoresk choreografierte Bepflanzung, der Blick auf den mächtigen Rhein oder das erhabene Hagendenkmal verströmen insbesondere an warmen Sonnentage eine mediterrane Gelassenheit. 

 

Warum die Karl-Kübel-Brücke im Volksmund Terence-Hill-Brücke heißt

Fußläufig gerademal fünf Minuten von den Nibelungen-Apartments entfernt, begegnet einem zunächst eine unscheinbare Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die allerdings vor ein paar Jahren in den Fokus der Medien geriet. Alles fing damit an, dass vor ein paar Jahren das zweckdienliche Betonbauwerk von den Stadtoberen auf den Namen Karl-Kübel-Brücke getauft wurde. Das fand der Wormser Schauspieler und Sänger Peter Englert nicht in Ordnung, und erinnerte den damaligen Oberbürgermeister daran, dass dieser versprochen habe, ihn zur Brückeneinweihung einzuladen. Bekannt für seine skurrilen Ideen unternahm Englert kurzerhand selbst die Brückeneinweihung und taufte dieses wichtige Bindeglied zwischen Stadt und Rhein auf den Namen Terence-Hill-Brücke.

Nun kann man natürlich zurecht fragen, was um Gottes Willen der italienische Schauspieler mit einer Brücke in Worms zu tun hat? Die Antwort ist einfach und führt zurück in das Jahr 1966. Damals wurde mit großem Aufwand als Zweiteiler das Nibelungenlied verfilmt. Unter der Besetzung fand sich auch ein gewisser Maria Girotti, der den Königsbruder Giselher spielte, und später unter dem Namen Terence Hill weltberühmt wurde. Weil Girotti alias Hill eine Figur aus einer Wormser Sage spielte, handelte es sich für Englert um einen vollkommen plausiblen Bezug zu der Nibelungenstadt. Zunächst fand der Oberbürgermeister die Aktion nur eingeschränkt lustig. Da man aber in einem Wahljahr war und der Oberbürgermeister für weitere acht Jahre als Stadtoberhaupt gewählt werden wollte, witterte er eine medienwirksame Chance, auch bei jüngeren Wählern punkten zu können. Der OB im Wahlkampfmodus nahm mit dem Schauspieler im Ruhestand Kontakt auf und lud ihn in die Stadt ein. Der ließ es sich wiederum nicht nehmen, „seine Brücke“ zu besuchen. Zwischenzeitlich verbreitete sich die Meldung dieser kuriosen Geschichte in ganz Deutschland. Der ursprüngliche Name der Brücke, benannt nach einem Industriellen, der in Worms sich sozial engagierte, blieb zwar erhalten, das änderte aber nichts an Terence Hills Stippvisite auf der Brücke, die begleitet wurde von einem beachtlichen Medienrummel und jede Menge Fans. Zudem gab es einen Eintrag in das goldene Buch der Stadt. Heute erinnert ein Schild an der Brücke an diese denkwürdigen Tage. Dem Oberbürgermeister half die mediale Aufmerksamkeit allerdings nicht. Nur wenige Monate später, im November, wurde er abgewählt.

Kriemhilds Rosengarten

Steht man auf der besagten Terence Hill / Karl-Kübel-Brücke trügt der Blick, denn das pulsierende Leben am Rhein versteckt sich zunächst hinter mächtigen Linden und zweier unschöner Tanks, die bereits seit Jahrzehnten in der Bevölkerung für Unmut sorgen. Hat man erstmal den Festplatz, auch bekannt als Kissselswiese, überquert und die Boules Spielplätze eines Wormser Vereins passiert, begegnet man endlich dem gemächlich dahinfließenden Rhein. Begrüßt wird man zunächst von einem Rosenlabyrinth zum Fuße des Hagendenkmals. Der Wormser Künstler Eichfelder beschäftigt sich bereits seit vielen Jahrzehnten mit den Nibelungen. Ein langgehegter Wunsch war es dabei, der Stadt Nibelungen quasi zum Anfassen zu schenken. Der Rosengarten ist dabei nicht willkürlich gewählt. Eichfelder bezieht sich allerdings nicht auf das berühmte „Nibelungenlied“, sondern auf das heute weniger bekannte „Rosengartenlied“, das im 13. Jahrhundert entstand und im Mittelalter äußerst populär war. Im Mittelpunkt des Versepos steht Kriemhild. Zu Worms am Rhein legte demnach Kriemhild einen, von einer goldenen Borde umzogenen Rosengarten an. 224 Strauchrosen aus zehn verschiedenen Sorten säumen nun den labyrinthischen Weg durch den Rosengarten, flankiert von drei Linden, die derzeit noch in der Kinderschuhen stecken. Ab Frühling, wenn sich die Knospen zur Blüten entfalten, verzaubert das spiralförmig angelegte Labyrinth mit seinen Farben und Düften. Das Labyrinth wurde 2021 eröffnet. 

Hagendenkmal

Stolz und erhaben steht das Denkmal mit Hagen von Tronje am Ufer des Rheins. Sein Blick fest entschlossen, den wertvollen Nibelungenhord in den Fluten des Rheins zu versenken, um ihn somit Siegfrieds Witwe, Kriemhild, zu entreißen. Als in den frühen zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Worms begann, den Nibelungenmythos wieder zu entdecken, beschloss man, dem Mythos ein Denkmal zu setzen. Warum man ausgerechnet dem Schurken des Stücks ein Denkmal gesetzt hat, bleibt das Geheimnis der damaligen Stadtoberen. Vielleicht liegt es an dem ikonischen Charakter der Szene, die den Nibelungenhord untrennbar mit dem mythenumrankten Vater Rhein verbindet? Gestaltet wurde die Galvanofigur 1905 von dem Kunstschnitzer Johannes Hirt. Ironischerweise stand das Denkmal schon einmal in der direkten Nachbarschaft von Kriemhilds Rosengarten. Im Zuge der Nibelungen Begeisterung legte man bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts im Wormser Stadtpark (siehe Wäldchen) einen Rosengarten an. Kurze Zeit darauf wurde schließlich das Denkmal als direkter Nachbar eingeweiht. Dort stand es bis 1932. Danach wurde die Figur an den heutigen Standort umgesetzt.

Ein Nibelungenturm als Tor zur Stadt 

Auch wenn aus der Zeit der Nibelungen, sprich das Mittelalter, nichts Historisches in Worms erhalten ist, begegnet man dem Namen wiederum allerorts. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Rheinbrücke, die Worms mit Hessen verbindet, auf den Namen Nibelungenbrücke hört. Doch das besondere ist weniger der Name. Vielmehr ist es der Brückenturm, der in dieser Form am Rhein einzigartig ist. 53 Meter hoch ist der Brückenturm, der zugleich auch eindrucksvolles Stadtportal ist. Nach drei Jahren Bauzeit wurde das mächtige Bauwerk eingeweiht. Ursprünglich hatte der Turm auf der hessischen Seite ein Pendant. Im Zweiten Weltkrieg dienten sie zeitweise als Stützpunkt von Fliegerabwehrkanonen. Im März 1945 wurde der östlich gelegene Turm schließlich gesprengt. Zerstört wurde auch die Brücke, die 1953 wieder hergestellt wurde. Der Turm auf der Wormser Seite blieb glücklicherweise verschont. Oberhalb der Fahrbahn verfügt der Turm über acht Etagen, wovon fünf genutzt werden. Seit 1976 dient dieser den Pfadfindern des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder als Herberge. Für die Öffentlichkeit ist er zumeist einmal im Jahr am Tag des offenen Denkmals am zweiten Septemberwochenende geöffnet. Wer die Mühe des Aufstiegs auf sich nimmt, wird am Ende der Treppen mit einem erhabenen Ausblick über die Stadt und in die Weiten Rheinhessens entlohnt. 

www.nibelungenturm.de 

Skulpturenweg in Worms Abenheim

Am Anfang sitzt ein singender Hase! Mit wachen Augen schaut er einen an, als wolle er, wie der weiße Hase bei „Alice in Wunderland“, seinen Betrachter dazu auffordern, ihm in sein Wunderland zu folgen, das sich inmitten der Weinberge am östlichen Rand von Abenheim befindet. Das Wunderland hört auf den Namen „Abenheimer Skulpturenweg“. Der Stadtteil Abenheim liegt westlich von Herrnsheim ungefähr 3 Kilometer entfernt. Unterhalb des Schlossparks führt ein Radweg umgeben von Weinbergen direkt in den Stadtteil, der wie Herrnsheim (siehe Schloss Herrnsheim) ebenfalls für seine zahlreichen Winzer und deren köstlichen Weine bekannt ist. Der Hase wiederum, der am Wegesrand auf einem Stein kauert und den Anfang des Skulpturenwegs markiert, wurde von der Künstlerin Carmen Stahlschmidt aus Stein gemeißelt. Inspiration für den Kunstweg waren die unzähligen Hochständer inmitten der Wingerte. Die dienten in den 60er Jahren als „Wingertschützen“ zur Starenabwehr, ehe sie durch Selbstschussanlagen ersetzt wurden.

Der Skulpturenweg, der vom Abenheimer Heimatverein 1953 unterhalten wird, wurde im Jahr 2009 eröffnet. Insgesamt ist der Skulpturenweg im Laufe der elf Jahre auf elf Anlaufpunkte, gestaltet von unterschiedlichen Künstlern, angewachsen, die man auf einem rund vier Kilometer langen Rundweg bestaunen kann. Nicht alles wurde jedoch von gegenwärtigen Künstlern geschaffen, manche Attraktionen stehen bereits seit Jahrhunderten an ihrem Platz und wurden dadurch zu stillen Zeitzeugen. So ist die St. Michaelskapelle auf dem Klausenberg mit ihrer Kreuzwegstation ein Herzstück des Weges, das zugleich einen Ausblick über die weitläufigen Weinberge und den Ort gewährt. Unweit von diesem historischen Bauwerk entfernt befindet sich auch der „Tisch des Weines“. Kein Kunstwerk im eigentlichen Sinne, vielmehr ein Ort, den man zusätzlich zu den Werken geschaffen hat, um dort ein wenig zu verweilen oder mit anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen. Denn Kunst lebt nicht nur vom Betrachten, sondern auch vom Dialog über selbige. Dass man eine Wandergruppe dort antrifft, ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, insbesondere an sonnigen Wochenendtagen, da sich am Skulpturenweg verschiedene andere Pfade (Jakobsweg, Rheinterrassenweg) kreuzen. Wer den Weg nicht alleine laufen möchte, kann auch an einer der Gruppenführungen teilnehmen. Neben dem Heimatverein bieten auch immer wieder ortsansässige Winzer Wanderungen nebst Weinproben an. 

www.abenheimer-skulpturenweg.com

 

Die Stadt Worms und das jüdische UNESCO Welterbe

Seit dem 27. Juli 2021 ist es offiziell. Das historische Erbe der jüdischen Gemeinden in den Städten Worms, Speyer und Mainz gehört seitdem zum Unseco-Welterbe. Unter dem Namen SchUM schlossen sich die drei Städte vor vielen Jahren zusammen, um in die begehrte Liste aufgenommen zu werden. Dabei ist es nicht nur der touristische Aspekt, der die Städte antreibt, sondern auch Anerkennung ob der historischen Bedeutung. SchUM ist eine Abkürzung aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen hebräischen Städtenamen von Speyer (Schpira), Worms (Warmaisa) und Mainz (Magenza). Zugleich gelten die drei Städte auch als Geburtsort des „aschkenasischen Judentums“. Darunter versteht man das europäische Judentum. Mit dem Versprechen auf Zollerleichterungen lockte man ab ca. 960 nach Christus insbesondere wohlhabende Familien in die Städte am Rhein. Während heute Mainz die Muttergemeinde der wenigen in Worms lebenden Juden ist, war die Bedeutung im Mittelalter umgekehrt. Zahlreiche bedeutsame Gelehrte, wie der Rabbiner Meir von Rothenbur oder der Mystiker Elasar ben Juda lebten und lehrten in Warmaisa. Worms wurde zum Klein-Jerusalem, wie es ehrfürchtig von vielen Juden genannt wurde. Der jüdische Religionslehrer Salomon Rothschild erklärte bereits 1905: „Worms gehört zu den Städten des Abendlandes, an welche sich die meisten und bedeutsamsten Erinnerungen für die Geschichte und Literatur des Judentums knüpfen.“ 1849 wurde in Worms mit Ferdinand Eberstadt 1849 gar der erste Bürgermeister Deutschlands, der dem jüdischen Glauben angehörte, gewählt. Dabei musste der beliebte Politiker sich gegen viele Widerstände durchsetzen. Im Rheinischen Hochverratsprozeß im Juli 1850 war Eberstadt als “intellectueller Urheber” wegen erpresserischer Nötigung angeklagt. Im Herbst desselben Jahres wurde er allerdings freigesprochen. Nach seinem Ende im Amt als Bürgermeister 1852 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Kurz darauf folgte aufgrund einer ministeriellen Verfügung die Entbindung vom Amt. Ein vorerst endgültiges Ende der jüdischen Geschichte in Worms kam schließlich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Heute leben in Worms rund 60 Juden, die  zumeist aus osteuropäischen Ländern in den 90er Jahren in das frühere Klein-Jerusalem zogen. Das Raschi-Haus ist derweil die Heimat der jüdischen Geschichte in Worms. Die Synagoge und der Friedhof „Heiliger Sand“ sind indes Zeugen der Zeit, die die Besucher einladen, Geschichte zu erleben.

Eine Übersicht über das „SchUM-Geschehen“ finden Sie auf der Homepage: www.schumstaedte.de 

Das sollte man in Worms / Warmaisa gesehen haben: 

Heiliger Sand

Fast unscheinbar liegt er am Rande des Stadtzentrums, der älteste noch erhaltene Judenfriedhof Europas, der „Heilige Sand“. Begrenzt von einer Bahnlinie und einer Hauptverkehrsstraße lässt sich im ersten Moment nicht vermuten, dass hinter den von Bäumen gesäumten mächtigen grauen Mauern eine innerstädtische Oase der Ruhe und zugleich eine Ort der Andacht liegt. Dreieckig angelegt fasziniert der Friedhof mit einer eigentümlichen Mischung aus verwunschenen Garten und monolithischem Zeitzeugen. Verteilt auf sanft hügeligem Land stehen 2.500 Grabsteine, von denen der Älteste auf das Jahr 1074 nach Christus datiert ist. Unverzichtbar ist bei dem Besuch dieser historischen Stätte das Innehalten am „Martin-Buber-Blick“. Von dort hat man einen majestätischen Blick über den Friedhof, während im Hintergrund erhaben und mächtig der rund 1000 Jahre alte Wormser Dom St. Peter über allem thront, als würde er ein wachsames Auge auf die jüdischen Nachbarschaft werfen. Wer sich nicht nur von der magischen Atmosphäre dieses außergewöhnlichen Platzes inspirieren lassen möchte, kann auf eine der zahlreichen städtischen Führungen zurückgreifen oder die SchUM-App herunterladen, die nicht einfach nur Wissen abhandelt, sondern den Grabsteinen Gesichter gibt. Der Friedhof, dessen Steine ungewohnt von Norden nach Süden ausgerichtet sind, ist nicht einfach nur eine historisches Dokument längst vergangener Tagen, sondern genießt auch eine überaus prominenten Bedeutung als Wallfahrtsort für Juden aus aller Welt. Bis heute kommen religiöse Juden zum Heiligen Sand nach Worms. Gleich hinter der hölzernen Eingangspforte wurden links des Weges die Gräber des mittelalterlichen Rabbiners Meir von Rothenburg und dessen Schülers Alexander ben Salomon Wimpfen zu regelrechten Wallfahrtstätten. Unter kleinen Steinen sammeln sich unzählige Papierzettel mit Botschaften und Bitten. Seit geraumer Zeit ist aufgrund der Menge der Zettel ein Briefkasten neben dem rund 1000 Jahre alten Grab aufgestellt worden. Männer werden übrigens darum gebeten, beim Betreten der Ruhestätte eine Kopfbedeckung zu tragen. 

Synagoge, Mikwe, Frauenschul

Das frühere jüdische Viertel der Stadt befindet sich in der Altstadt, genauer gesagt in der Judengasse. Einer schmalen mit Kopfsteinpflaster ausgelegten Straße gerademal zwei Gehminuten von den Nibelungen-Apartments entfernt. Auch hier haben die Stadtzerstörungen 1689 und 1945 ihre Spuren hinterlassen. Neubauten aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts schmiegen sich an die mittelalterliche Stadtmauer, die den Norden der früheren Stadtgrenze markiert. Die 80er Jahre Bauten wechseln sich dabei immer wieder ab mit Gebäuden, deren Ursprung in das 19. Jahrhundert zurückreicht. In der Mitte dieser Straße bzw. Gasse findet sich die Synagoge. Nicht nur, dass sich in Worms die älteste Grabstätte jüdischen Glaubens in Europa beheimatet ist, selbiges gilt auch für die 1034 fertiggebaute Synagoge. Diese ist nicht nur Sehenswürdigkeit, sondern wird mittlerweile auch wieder als Gebetsstätte genutzt. Die Synagoge kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken, die auch von Pogromen geprägt war. Immer wieder wurde sie zerstört und wieder aufgebaut. So wurde sie 1938 von den Nationalsozialisten niedergebrannt, um schließlich 1961 wieder eröffnet zu werden. Zu dem Gebetshaus gehört zudem die erste überlieferte Frauenschule, die 1212/1213 an die Synagoge angebaut wurde. Ebenso gehören dazu die Mikwe, das jüdische Badehaus, das 1186 fertiggestellt wurde, und die Fundamente des ehemaligen Gemeindehauses, auf dem heute das Raschi-Haus steht mit seiner Ausstellung über das Leben der jüdischen Gemeinde in Worms. Das Synagogengelände kann derzeit nicht besichtigt werden, da dort grundlegende Sanierungsarbeiten stattfinden. 

Raschi-Haus

An der Stelle des heute zweckmäßigen Baus befand sich im Mittelalter eine einflussreiche Talmud-Schule, das Raschi-Lehrhaus. Benannt nach ihrem Lehrer Rabbi Schelomo ben Jichaki, befindet sich heute auf dem Grundstück das Wormser Stadtarchiv sowie das Raschi-Haus, das jüdische Museum der Stadt Worms. Zahlreiche Bilder, handschriftliche oder schreibmaschinengetippte Dokumente entführen die Besucher in die wechselvolle Geschichte der Wormser Juden. Mal verfolgt, mal geschätzt, sorgten Hitlers Nationalsozialisten dafür, dass es in Worms nach dem Zweiten Weltkrieg keine jüdische Gemeinde mehr gab. Das Museum legt derweil Zeugnis darüber ab, wie glorreich und stolz die tausend Jahre alte Gemeinde einst mal war. Das Museum hat Dienstag bis Sonntag von 10 – 12.30 Uhr & 13.30 – 17 Uhr geöffnet. Im Museum gelten die allgemeinen Abstands- und Hygienevorschriften, weshalb aktuell nur 15 Personen gleichzeitig das Museum besichtigen können.

Link: www.worms.de/juedisches-museum/

Ausflugsziele Speyer und Mainz

Speyer (Schpira)

Speyer liegt mit dem PKW ca. 50 Minuten südlich von Worms und ist sowohl über die Autobahn als auch die Bundesstraße von Worms aus sehr gut zu erreichen. das Gelände von der domseits gelegenen Straße her durch das Museum Schpira, das auf einer relativen kleinen Ausstellungsfläche Grabsteine, Doppelbogenfenster und Fragmente der mittelalterlichen Synagoge zeigt. Deren Überreste zeigen sich in Gestalt erhaltener Mauern, der angrenzenden Frauenschul und der als Bodendenkmal überlieferten Jeschiwa. Im Zentrum des ehemaligen Judenviertels (»Judenhof«) steht der eindrucksvolle Bau der  Mikwe aus der Zeit um 1120. Das romanische Ritualbad ist das älteste erhaltene seiner Art in Europa. Rund elf Meter muss man in die kühle Dunkelheit hinabsteigen, ehe man auf das eigentliche Badehaus stößte. Die Wormser Mikwe fühlt sich beim Vergleich wie das kleine „Rolemodel“ an, dass zwar als Vorbild diente, aber unbedingt übertroffen werden sollte. Die Mikwe und ihre Anlagen waren für die Juden in Speyer bis zur Auflösung der Gemeinde im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts ein zentraler Ort.   

Linktipp: www.speyer.de/de/tourismus/planen-und-buchen/rundgaenge-und-touren/fuehrungen-fuer-gaestegruppen/fuehrungen-in-historischen-sehenswuerdigkeiten/judenhof-mit-museum-schpira-und-mikwe/

Mainz (Magenza)

Die Landeshauptstadt Mainz, die dritte Stadt im Bunde, nördlich von Worms ebenfalls rund 50 Kilometer entfernt, hat die wenigsten Baudenkmäler aufzuweisen. Zahlreiche Kriege haben das haptische Erbe auf ein Minimum reduziert, darunter eine Synagoge. Die Synagoge in Mainz-Weisenau wurde 1737/38 erbaut. Sie ist die einzige Synagoge in Mainz, die die Zeit des Nationalsozialismus und die Bombenangriffe überdauerte und das älteste noch erhaltene Gebäude in Weisenau. Da die Weisenauer jüdische Gemeinde im 18. Jahrhundert fast ein Viertel der Dorfbevölkerung ausmachte, wurde die Synagoge auf der Wormser Straße errichtet. Erhalten sind ebenfalls Teile des „Judenfriedhofs“. Der älteste Teil datiert auf das Jahr 1286. Ähnlich wie der Wormser Friedhof liegt auch dieser an einer Hauptverkehrsstraße. Während man in Worms allerdings diesen Umstand schnell vergisst, kann man das in Mainz jedoch nur schwer ignorieren. Lautstark brausen die Autos tagsüber emsig umher und schaffen so ein Kontrastgefälle, wie es stärker nicht sein könnte. 

Linktipp: www.förderverein-synagoge-mainz-weisenau.de

App-Tipp

Die App bietet einen Streifzug durch den Judenhof in Speyer, über den alten jüdischen Friedhof „Heiliger Sand“ in Worms sowie den Synagogenbezirk in Worms. Zusätzlich erklärt die App mit faszinierenden Geschichten, was es mit SchUM, der Architektur von Synagogen, Frauenräumen und Ritualbädern auf sich hat – und weshalb jüdische Friedhöfe „Orte der Ewigkeit“ auf sich hat. Vier unterschiedliche Stories erzählen von der jüdischen Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Ob Abel und Anton, Maayan oder Rebecca und David – die Protagonisten sind wissbegierig, diskussionsfreudig und lieben Geschichte/n. Der Nutzer hat die Möglichkeit, zwischen Anhören und Lesen zu wählen. Zudem ist die App mit vielen Bildern angereichert. Des Weiteren gibt es Zusatzinformationen zu Öffnungszeiten, Regelungen für den Besuch von u.a. einer Synagoge und eines jüdischen Friedhofs, touristischen Tipps und Hinweisen zu Restaurants. Unterstützte Sprachen: Deutsch und Englisch.

www.schumstaedte.de/schum-app/

Buchtipp

Jerusalem am Rhein

Man kann sich Geschichte natürlich in der üblichen Form über informative Internetseite oder ganz klassisch unter Zuhilfenahme von Fachliteratur zu Eigen machen. Man kann aber auch über Geschichten Geschichte begreifbar machen. Das geschieht ganz wunderbar in dem Buch „Jerusalem am Rhein“. Der Professor für Religionswissenschaft und Jüdische Studien, Karl E. Grözinger, hat für dieses Buch zahlreiche Erzählungen, Legenden, Sagen, aber auch Alltagsgeschichten zusammengetragen. Sortiert in acht Kapiteln (z.B. „Wormser Wundermänner und Magier“ oder „Aus den Gerichtsstuben“) lässt er historisch verbürgte Persönlichkeiten ihre jeweilige Zeit / Erlebnisse schildern. Mal ist das humorvoll, mal ist das traurig, aber immer vereint die Geschichten, dem Leser diese Zeit vor Augen zu führen und damit ein Gefühl für die Bedeutung der drei Städte zu bekommen. Unterhaltsamer kann Geschichtsunterricht kaum sein. 

Jüdische Geschichten aus Speyer, Worms und Mainz

Von: Grözinger, Karl E.
Worms-Verlag, 2018, 256 Seiten, 60 Abb., 16 x 24 cm, kartoniert I 26 Euro
ISBN: 978-3-944380-83-4

Link: www.wormsverlag.de

Das Wormser Luther-Dossier

Zwei Tage in Worms, die die Welt veränderten 

Der Martin-Luther-Krimi kompakt zusammengefasst

Worms hat eine bewegte historische Vergangenheit. Bereits 5.000 vor Christus wurde das klimatisch begünstigte Gebiet von den Kelten besiedelt. Ungefähr 35 vor Christus fanden schließlich die Römer hierher und brachten nicht nur den Wein nach Rheinhessen. Mit den Römern wurde Worms mehr als nur ein Siedlungsgebiet. Es wurde zunächst zur „Provinz“ und gewann zunehmend an Bedeutung. Nicht wenige Ereignisse, die hier geschahen, haben bis heute Auswirkungen auf die christlich geprägte Welt. Wer kennt nicht den Ausdruck des „Gang nach Canossa“? Jenem Büßergang, bei dem der Kaiser den Papst einfach gesagt um Entschuldigung bitten musste. Dieser Gang war letztlich eine Folge der Reichsynode im Jahre 1076, zu der Kaiser Heinrich IV. in Worms lud, mit dem Ziel sich von der römisch-katholischen Kirche in Rom loszusagen.

Wahrscheinlich noch berühmter dürfte der Ausspruch „Hier stehe ich und kann nicht anders!“ sein. Zugeschrieben wird der Satz dem streitbaren Theologen Martin Luther, der 1521 nach Worms zitiert wurde, um seine 1517 veröffentlichten 95 Thesen zu widerrufen. Bekanntermaßen hat er dies nicht getan und soll dabei jene berühmten Worte gesagt haben. Wie Texte mittlerweile nahelegen, war Luthers Ausspruch ein wenig anders, aber gar nicht so sehr von dem berühmten Zitat entfernt: 

„(…) Und so lange mein Gewissen durch die Worte Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es unsicher ist und die Seligkeit bedroht, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen“

Die Folgen dieses Satzes erschütterten Europa, führten zur Spaltung der Kirche und zum Dreißigjährigen Krieg. So könnte man sagen, dass der Reformationsgedanke sich von Worms aus in die Welt verbreitete. Aber wie kam es überhaupt dazu und warum wurde Worms als Ort, an dem man den Reichstag abhielt, ausgewählt?

Der 1486 geborene Martin Luther studierte Theologie in Wittenberg und überzeugter Vertreter des Humanismus. Im Auftrag seines Ordens reiste er 1510 nach Rom. Dort zeigte er sich entsetzt über den Pomp, mit dem die römisch-katholische Kirche ihre Macht demonstrierte. Der gottesfürchtige Mann begann sich zu fragen, ob dies im Sinne der christlichen Lehre war, die Demut und Bescheidenheit predigte. Zurück in Deutschland, das damals noch das „Heilige Römische Reich“ war, begann er zunehmend die Missstände anzuprangern. 

Besonders die Praxis des Ablasshandels, Gottesvergebung gegen Geld, und die Simonie, also der Praxis, einflussreiche kirchliche Ämter zu kaufen und zu verkaufen, gerieten in seinen Texten in den Fokus und bildeten die Grundlage für die 95 Thesen, die Martin Luther am 31. Oktober 1517 wirkungsvoll in Wittenberg an eine Tür nagelte. Zudem wurden diese ursprünglich in lateinisch verfassten 95 Thesen dem Erzbischof von Mainz übermittelt. Es folgte eine Übersetzung in Deutsche. Die Erfindung des Buchdrucks (in Mainz) sorgte schließlich dafür, dass Luthers Thesen sich in rasender Geschwindigkeit im Reich verbreiteten und er sowas wie zum ersten Medienstar wurde.

Im Jahr 1520 wurde der gerade mal 20 jährige Karl V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gewählt. Unter dem Einfluss von Papst Leo X. erklärte am 3. Januar 1521 der jungen Kaiser Luther zum Ketzer, verhängte über ihn eine Bannbulle (Exkommunikation) und die Reichsacht (rechtslos und vogelfrei). Für Luther, der fest an das Fegefeuer glaubte, eine menschliche Katastrophe. Dennoch weigerte er sich, von seiner wirkmächtigen Kritik abzurücken. 

Am 27. Januar 1521 eröffnete der Kaiser den Reichstag in der „freien Stadt“ Worms. Ursprünglich sollte dieser in Nürnberg stattfinden. Da die Kaiserstadt Nürnberg zu diesem Zeitpunkt von mehreren Epidemien heimgesucht wurde, fiel die Wahl auf die geschichtsträchtige Stadt am Rhein (bereits 1495 gab es in Worms einen Reichstag). Karl V. reiste schließlich am 28. November in die damals 7.000 Einwohner zählende Stadt, um den wichtigen und vor allem landesweit populären Reichstag vorzubereiten. Kurzum, der Reichstag war das herausragende Ereignis seiner Zeit.

Hauptthema sollte die Neuordnung der Machtverhältnisse zwischen Krone, Fürsten und Städten sein. Mit den rund 80 Fürsten reisten rund 3000 weitere Gesandte und Gefolgsleute in die Stadt. In manchen Quellen wird sogar darüber berichtet, dass etwa 10.000 zusätzliche Besucher anreisten. Das führte zu Verteuerungen der Lebensmittel, Wohnraum wurde knapp und überall kam es zu Streitigkeiten.

Vier Monate verhandelten die Mächtigen, als überraschend Martin Luther auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Eigentlich dachten Papst und Kaiser, dass mit dem Bann die Geschichte erledigt war. Doch sie täuschten sich! Denn der Gesandte des Papstes stellte in Worms fest, “dass gar nichts anderes verkauft werde als Luthers Schriften“. Man kam also um das Thema nicht mehr herum.

Karl V. zitierte Luther also zum Reichstag, mit dem Ziel, dass dieser vor den weltlichen und geistlichen Mächtigen des Landes seine 95 Thesen widerrufen sollte. Am 2. April 1521 machte sich Martin Luther auf den Weg von Wittenberg nach Worms. Als er am 16. April in Worms ankam, begrüßten ihn Trompetenfanfaren, während ihm das Volk zujubelte.  

Am 17. April fand im Rahmen einer Voranhörung eine erste Begegnung zwischen dem Kaiser und Luther statt. Glaubte Luther zunächst noch daran, den Kaiser überzeugen zu könne, wurde er schon nach wenigen Stunden eines Besseren belehrt. Karl V. ließ Luther wissen, dass er am Folgetag einen Widerruf erwarte. Am 18. April kam es schließlich zum großen Showdown zwischen dem populären Theologen und dem mächtigen Kaiser. Die Begegnung endete schließlich mit dem obengenannten Zitat. Es folgten in den nächsten Tagen weitere Gesprächsrunden unter der Anwesenheit von Gelehrten, die ihn dazu bringen sollten, doch noch zu widerrufen. Wie sich zeigte, vergeblich. 

Am 26. April traten schließlich Luther und seine Begleiter die Rückreise an. Auf dem Rückweg kam es zu einem inszenierten Überfall sowie der Entführung von Luther. Initiiert wurde dies vom Kurfürst Friedrich, dem Weisen, der Luther wohlgesonnen war. Dieser ließ den „vogelfreien“ Mann auf die Wartburg bringen. Der Reichstag in Worms endete wiederum am 26. Mai mit dem Wormser Editkt, also der Reichsacht, die über Martin Luther verhängt wurde. 1524 wurde wiederum die erste evangelische Messe auf deutschem Boden hier in Worms abgehalten. Ebenso entstand hier 1526 die erste englischsprachige Fassung des neuen Testaments. Bis heute ist die Stadt, trotz der baulichen Dominanz der katholischen Kirchen, protestantisch geprägt, was sich vor allem in der Bevölkerungsstruktur niederschlägt.

Auf den Spuren von Martin Luther in Worms

Zweimal wurde die frühere Kaiserstadt Worms zum Opfer großer Zerstörungen. Einmal in Folge des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1689 und schließlich kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, durch zwei Fliegerangriffe. Die Folge dieser Zerstörungen war, dass viele historische Gebäude, darunter auch der damalige Bischofshof in unmittelbarer Nachbarschaft des Doms, in dem Luther vor den Kaiser treten musste, unwiderruflich zerstört waren. Dennoch ist es auch heute noch möglich, Luthers Spuren in Worms zu folgen. 

Am eindrucksvollsten gelingt dies am Luther-Denkmal, dem weltgrößten Reformationsdenkmal, das von dem Dresdner Künstler Ernst Rietschel entworfen wurde. Zwölf Jahre dauerte seine Fertigstellung. Enthüllt wurde es schließlich unter Anwesenheit des preußischen König Wilhelm I. und zahlreichen Zuschauern an einem glühend heißen Sommertag am 25. Juni 1868. Historische Quellen besagen, dass damals alleine 3.000 Ehrengäste angereist waren. Es gab 15.000 Tribünenplätze und angeblich 100.000 Besucher. Das Denkmal zelebriert nicht nur Martin Luther, der mit einer Faust auf der Bibel sozusagen symbolisch seine Thesen unerschütterlich mit stolzen und klaren Blick vertritt, sondern auch weitere bedeutende Persönlichkeiten der Reformationsgeschichte. Erklärungen zu den abgebildeten Personen finden sich auf der Homepage: 

www.worms-erleben.de/erleben/entdecken-und-staunen/sehenswuerdigkeiten/lutherdenkmal.php

Die technisch interessant gestaltete App „Worms erleben (AR)“, bietet ebenfalls umfassenden Informationen. Eingefasst ist das Denkmal in eine mit Zinnen versehene Mauer, die das bekannte Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ sozusagen zum Anfassen symbolisiert. Zugleich werden weitere Personen, Orte und Szenen der Reformation im Rundgang illustriert. Umgeben ist das Denkmal von einer eindrucksvollen Grünanlage, dem Lutherplatz, der je nach Jahreszeit entsprechend vom städtischen Grünflächenamt ansprechend gestaltet wird. 

Mit eine Virtual Reality in den Wormser Reichstag eintauchen

Die eben erwähnte App „Worms erleben (AR)“ bietet nicht ausführliche Informationen zu dem Denkmal, sondern schickt den Nutzer auf eine Luther-Tour. Durch die Anwendung einer sogenannten „Argumented Reality (AR) Technologie“ verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart zu einem unterhaltsamen Erlebnis. Die Technik ermöglicht dem Betrachter einen virtuellen Einblick in die Zeit des Reichstages 1521. Die Tour beginnt am Luther-Denkmal und führt zu sechs historisch bedeutsamen Orten, die durch Stelen markiert sind. Mittels eines QR Codes, der sich auf selbigen befindet und gescannt werden kann, taucht man schließlich in die Vergangenheit ein. Es entstehen vor dem Auge Gebäude, während zusätzlich Personen direkt vor einem auftreten. Durch die Reise, bei der man auch auf Martin Luther trifft, führt der Reichsherold Kaspar Sturm informativ. Angelehnt an die Optik einer Graphic Novel bietet die App auf unterhaltsame Weise die Möglichkeit, Geschichte zu erleben. Wer auf die virtuelle Realität verzichten möchte, kann sich diese aber auch erzählen lassen. Bei der Nutzung der App ist es sinnvoll, Kopfhörer zu nutzen. Da die App wiederum einiges an Strom in den rund 90 Minuten der Tour verbraucht, ist es sinnvoll, zuvor auf einen gut geladenen Akku zu achten. Die App ist kostenlos und ist sowohl im AppStore und im Google Play Store zu finden. Wichtig ist allerdings, den genauen Begriff „Worms erleben“ einzugeben, da man ansonsten auf zahlreiche Apps stößt, die sich auf das Spiel „Worms“ beziehen.

Hier stehe ich und kann nicht anders: Luthers Schuhe im Heylshofpark Worms

Wer auf Luther Spuren wandeln möchte, sollte natürlich auch den Wormser Heylshofpark unweit des Luther-Denkmals aufsuchen. Wer die App nutzt, wird ohnehin in die grüne Oase inmitten der Stadt geführt. Dort befand sich vor 500 Jahren der Bischofshof. Eine Bronzeskulptur in Form von überdimensionierten Schuhen symbolisiert den Ort, an dem Luther vor dem Kaiser gestanden haben soll. Wer plötzlich Stimmen in dem Park hört, sollte sich übrigens keine Gedanken darüber machen, ob er nach seiner Tour durch die Stadt möglicherweise akustische Halluzinationen hat. 24 Lautsprecher mit kleinen, aber gut erkennbaren, leicht und ruhig pulsierenden Lichtquellen sind über den Park verteilt. Bewegungsmelder registrieren, wenn jemand der konkreten Stelle nahe kommt und aktivieren einen Lautsprecher mit Gewissensfragen. 24 Fragen werden gestellt, je eine Frage pro Standort. „Fragen an das „heute“, entstanden aus einem Augenblick vor 500 Jahren mit Antworten von uns jetzt“, heißt es auf der Homepage wormserleben. Die Stadt nennt das selbst einen „Denkraum“. Man kann sich allerdings einfach auch von dem satten Grün der Wiesen, den knorrigen uralten Bäumen und dem mächtigen Dom, der mit seinen gewaltigen Türmen über den Park zu wachen scheint, inspirieren lassen. Oder anders gesagt, es ist ein Ort, der bestens dazu geeignet ist, die Seele baumeln zu lassen. 

Luther-Ausstellung im Andreasstift

In den Räumlichkeiten des 1000 Jahre alten Andreasstifts nebst Kirche findet in der Zeit vom 3. Juli bis zum 30. Dezember die Landesausstellung “Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021” statt. Im Mittelpunkt steht eine historische Auseinandersetzung mit dem Thema „Haltung zeigen“. Aufhänger sind natürlich die Ereignisse rund um Luthers Auftritt auf dem Reichstag 1521. Angeordnet in 14 Themeninseln präsentiert die Ausstellung eine ansprechend gestaltete Reise durch 500 Jahre Protestgeschichte, grob unterteilt wiederum in zwei Teile. Vor allem in protestantischen Milieus gilt “Worms 1521” als Geburtsort der modernen, westlichen Gewissensfreiheit und wird entsprechend geschichtspolitisch vereinnahmt, weshalb sich der erste Teil explizit auf die historische Ereignisse bezieht. In einem zweiten Teil fokussiert die Ausstellung das Thema “Gewissensfreiheit”, und zwar sowohl mit als auch ohne Bezug zu Luthers Wirken. Die Landesausstellung befasst sich mit bedeutenden Persönlichkeiten, die seit dem 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart für ihre Ideale in Wort und Tat einstanden und nicht selten für ihre Zivilcourage mit ihrem Leben bezahlten. Beispielhaft stehen hierfür hier die streitbare Schriftstellerin Olympe de Gouges oder die junge Sophie Scholl. Unter Verwendung von Exponaten, Schriftstücken, Filmausschnitten, aber auch Musikeinspielungen macht die Ausstellung Geschichte erfahrbar. Unter den Exponaten befindet sich beispielsweise auch eine Bibel, in der eine Aussparung eingearbeitet ist, in der man eine Pistole verstecken kann. Diese Bibel wurde in den sechziger Jahren Winnie Mandela als Warnung an ihren Mann Nelson Mandela überreicht. Dieser sollte seinen Protest zur Beseitigung der Apartheid beenden. Neben solchen Momenten, in denen sich Menschen gegen Hass und Gewalt mit Haltung behaupten mussten, setzt sich die Ausstellung aber auch mit den friedlichen Protesten in der DDR auseinander, die schließlich zum Mauerfall führten. 

Ein Hingucker ist natürlich auch das Museum selbst, in dem die sehenswerte Ausstellung stattfindet. Das Andreasstift wird erstmals 1016 erwähnt. Bereits im 13. Jahrhundert wurde das ursprüngliche Gebäude jedoch umfassend umgebaut. Genutzt wurde es lange Zeit als Kloster. Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde das Gebäude niedergebrannt. Was übrig blieb, waren das Mauerwerk und ein Teil des Kreuzgangs. Der Wiederaufbau dauerte bis 1761. Aber auch danach widerfuhr dem Gebäude wenig Gutes. 1792 geriet Worms unter französische Besatzung. Die neuen Herren nutzten das Stift als Kaserne. Nachdem das Gebäude wieder in städtischen Besitz war, wurde insbesondere die Kirche, das heute das Entree zur Ausstellung ist, als Parkhaus genutzt. Als der Wormser Altertumsverein Ende der zwanziger Jahre eine neue Heimat für dessen historische Sammlung suchte, bot die Stadt die Räume des Andreasstifts als Museum an. Seitdem ist dort die Sammlung beheimatet. Während der Luther-Ausstellung sind jedoch die oberen Stockwerke, in denen ein Hauptteil der Sammlung untergebracht ist, geschlossen. Durch die großzügige Spende einer Wormser Mäzenin wurde in den vergangenen zwei Jahren aufwendig der ehemalige Kreuzgang rekonstruiert und wieder errichtet. Dieser umrahmt den Innenhof, in dem während der Ausstellungszeit Lesungen und kleinere Konzerte stattfinden. Wie Ausstellungskurator Dr. Olaf Mückain verrät, kann der Hof während der Ausstellung auch gerne als außerparlamentarischer Protestraum genutzt werden. Plakate und Demonstrationen sind ausdrücklich erwünscht.

Für den Besuch der Ausstellung ist im Vorfeld eine online Reservierung notwendig. Corona bedingt dürfen derzeit alle 20 Minuten 30 Gäste die Ausstellung besuchen. Gruppenführungen finden aufgrund der aktuellen Situation nicht statt. 

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.luther-worms.de

Sommer ist Festspielzeit in Worms:

Die Nibelungen-Festspiele präsentieren „Luther“

Längst gehören die Nibelungen-Festspiele zu den deutschlandweit wichtigsten Theaterereignissen. Vor der eindrucksvollen Kulisse des Wormser widmen sich die Open-Air-Festspiele normalerweise den titelgebenden Nibelungen. Anlässlich des Jubiläumsjahres verlassen die Macher ihre Komfortzone und stellen in der Zeit vom 16. Juli bis 3. August Luther in den Mittelpunkt der diesjährigen Inszenierung, die auf Originaltext des Schweizer Autors Lukas Bärfuss basiert. Der Intendant der Festspiele, Deutschlands erfolgreichster Filmproduzent Nico Hofmann („Der Junge muss an die frische Luft“), erklärt zu der Aufführung, dass es in dem Stück um innere Haltung und Mut geht. Was genau inhaltlich die Zuschauer erwartet, wurde bisher nicht verraten. Bekannt ist hingegen die Besetzung. Dazu gehört der beliebte Schauspieler Jürgen Tarrach („James Bond 007 – Ein Quantum Trost“, „Wambo“) und die Schauspielerin Sunnyi Melles, die gern gesehener Gast in zahlreichen Serien ist und zuletzt in der aufwendigen Kinoproduktion „Narziss und Goldmund“ mitspielte. Ein fester Bestandteil der Festspiele ist auch der Heylshofpark, der gerne in diesem Zusammenhang zurecht als schönstes Theaterfoyer Deutschlands bezeichnet wird. In welchem Rahmen er in diesem Jahr genutzt wird, ist aufgrund von Corona im Moment noch unklar. In normalen Jahren erwartet die Zuschauer in der romantischen Parkanlage ein umfangreiches gastronomisches Angebot, zu dem natürlich ein großes Angebot an wohlschmeckenden regionalen Weinen gehört. Ebenso kann der Park gegen einen kleinen Obolus (2 Euro) auch von  Flaneuren ohne Festspielticket besucht werden. Ob dies in diesem Jahr ebenso ist, ist fraglich. Fraglich ist im Moment auch, wie viele Besucher die Festspiele empfangen dürfen. Aktuell plant man mit 530. Normalerweise bietet die Tribüne Platz für 1.400 Gäste. Da die Plätze begehrt sind, sollte man bei Interesse schnell reagieren.

Weiter Informationen finden Sie unter:

www.nibelungenfestspiele.de 

Alle Texte: Dennis Dirigo

Weinstadt Worms – Das Weinherz von Rheinhessen

Worms und Wein, das sind zwei, die nicht nur aufgrund desselben Anfangsbuchstabens untrennbar miteinander verbunden sind. Als ca. 50 v.Chr. erstmals die Römer in dem Gebiet ankamen, das heute Worms ist, sorgten sie nicht nur für die ersten städtischen Strukturen, sondern sie brachten zugleich auch den Wein mit. Da der Transport für das beliebte Getränk auf Dauer zu aufwendig war, begann man wie zuvor in Gallien, auch in der neuen Provinz seine eigenen Reben zu pflegen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Wein für die Region wirtschaftlich immer bedeutender. Worms ist heute die drittgrößte Weinbautreibendegemeinde (nach Neustadt und Landau). Rund 80 Winzer pflegen heute die Weinbautradition. Worms liegt wiederum in Rheinhessen, dem größten Weinanbaugebiet Deutschlands. Insbesondere das milde Klima in Rheinhessen, viel Sonne, gepaart mit wenig Niederschlag, schafft ideale Bedingungen für einen rundum gelungenen Wein. Die Hügellandschaft Rheinhessens ist daher geprägt von endlos sich aneinanderreihenden Rebflächen. Ein Hauptteil der süßen Frucht, knapp 73 Prozent, ist dem Weißwein vorbehalten. Davon beansprucht der Riesling die meisten Reben und sorgt bei Weinprämierungen regelmäßig für Furore. Auch im gesellschaftlichen Leben spielt der Wein hier eine große Rolle. Zahlreiche Weinfeste, Straußwirtschaften, Vinotheken und Weinmessen zeugen von dieser Liebe zum Wein. In Worms erlebt das Weinfeiern mit dem Backfischfest und dem dazugehörigen Wonnegauer Weinkeller Ende August seinen Höhepunkt. In Form der Marktwinzer ist er nahezu ganzjährig samstags auf dem Wochenmarkt vertreten. 

Liebfrauenmilch – Ein Wein geht um die Welt

Die bekanntesten Weinanbauflächen in Worms sind das Luginsland und das Liebfrauenstift. Beide Rebflächen befinden sich inmitten der Stadt. Besonders der Wein, der aus dem Liebfrauenstift hervorgeht und unter dem Namen Liebfrauenmilch vermarktet wurde, sorgte dafür, dass die Weinstadt Worms auch weltweit Ansehen genoss. Die 17 Hektar kleine Weinlage um die Liebfrauenkirche herum ist von Mauern umgeben und damit besonders windgeschützt. Wie eine Patronin wacht die zwischen 1267 und 1465 erbaute Kirche über das „Kirchenstück“ und spendet wichtigen Schatten. Die Reben profitieren zudem von dem etwas wärmeren Klima der Stadt und der Nähe zum Rhein. Nachdem der holländische Kaufmann P.J. Valckenberg die städtischen Weinlagen erwarb, begann der den Wein zunächst europaweit zu verkaufen. Insbesondere England, inklusive des englischen Königshauses, erwies sich als freudige Abnehmer. Bald darauf schaffte es der kostbare Tropfen auch nach Amerika, wo er nachweislich im Restaurant des Ritz-Carlton in New York kredenzt wurde. Die Liebfrauenmilch wurde zum Exportschlage und schaffte es sogar in schwindelerregende Höhen. Bei der ersten Weltumrundung des Zeppelins 1929 waren 2 von 10 an Bord angebotenen Weißweinen Wormser „Liebfraumilch“.  Fehlende Gesetze zum Schutze einer Marke führten dazu, dass immer mehr Weinhändler und Winzer begannen, ihren Rebensaft Liebfrauenmilch zu taufen, ohne jedoch den Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Weinkontor Valckenberg fügte schließlich die Lage „Kirchenstück“ hinzu und ließ sich diesen Begriff schützen. Wer also einen Wein mit dem Namen „Liebfrauenstift-Kirchenstück“ in der Hand hält, weiß, dass es sich hierbei um das einzig echte Original handelt. 10 Hektar der Flächen werden mittlerweile von dem frisch gegründeten Weingut am Dom bewirtschaftet. Die restlichen Flächen werden von den Wormser Weingütern Spohr, Schembs und sowie dem Gundheimer Weingut Gutzler gepflegt. Bei den Liebfrauenstift-Weinen handelt es sich um Rieslinge, die sowohl trocken als auch lieblich ausgebaut werden.  

Wo kommt eigentlich der Riesling her? Natürlich aus Rheinhessen….

Der bedeutende deutsche Weinbau Historiker Friedrich von Bassermann-Jordan bemerkte in seinem 1907 erschienenen zweibändigen Werk „Geschichte des Weinbaus“, dass die Herkunft der „wichtigsten deutschen Weißweinrebe – des Rieslings“ wohl nie beweiskräftig aufzuklären sein werde. Hartnäckig hält sich bis heute die Theorie, dass der Riesling von der Mosel an den Rhein gelangte. Bassermann-Jordan verweist in seinem Werk allerdings auf eine Literaturquelle von 1857, nach der „die Gegend von Neustadt/Weinstraße nach Worms als Urheimat des Rieslings“ angesehen werde könne. Im „Rebsortenratgeber Rheinhessen“, der 1978 von der Erzeugergemeinschaft Rheinhessischer Rebenveredler herausgegeben wurde, heißt es zum Riesling: „Die Herkunft des Rieslings konnte nicht genau ermittelt werden. Vieles deutet allerdings auf den Wonnegau hin. Der Wonnegau ist wiederum eine südliche Region Rheinhessens, zu der auch Worms gehört. Erstmals wurde im Jahre 1490 eine Rieslinganbaufläche mit einer Größe eines „halben Morgen“ in Pfeddersheim urkundlich erwähnt. Der heutige größte Wormser Stadtteil genoss zur damaligen Zeit eigenständige Stadtrechte und gehört seit 1969 zu Worms.  Ein weiteres Indiz, dass den Riesling noch früher in Worms und Region verortet, will der Autor Dieter Braaz gefunden haben. Wikipedia verweist in einem Eintrag zum Thema Riesling auf dessen „Wine Atlas of Germany“. Darin erklärt der Autor, dass die erste schriftliche Erwähnung der Rebe Riesling und der Stadt Worms bereits auf das Jahr 1402 zurückginge. Einen Beleg für diese Behauptung bleibt er allerdings schuldig. Tatsächlich stammt das älteste Schriftstück, in dem die beliebte Rebe erwähnt wird, aus dem Jahre 1435. Der Verwalter der Burg zur Rüsselsheim vermerkte den Ankauf von Riesling-Setzreben, die man im eigenen Weingarten verpflanzte. Aber wie kamen die Reben in die Opelstadt? Es gibt zwar keine urkundlichen Erwähnungen, allerdings besagt die Legende, dass Graf Johann IV aus dem Geschlecht der Katzenelnbogen, zu dessen Grafschaft auch der besagte Weingarten gehörte, sich 1435 auf Einkaufstour befand. Die führte ihn auch nach Pfeddersheim, wo er Wein kaufte. Ob er dort auch die Setzlinge kaufte, ist indes nicht belegt. 

Wo auch immer der Riesling zuerst seine Wurzeln in die Erde grub, fest steht, dass dieser untrennbar mit Rheinhessen und somit auch mit Worms verbunden ist. Das zeigt bereits der Anteil der Rebflächen. Dieser liegt bei den Weißweinreben bei 18 Prozent. Den zweiten Platz nimmt der etwas weniger glamouröse Müller Thurgau ein. In Weinverkostungen der Feinschmeckermagazine und Blogs sorgen Rheinhessische Riesling regelmäßig für beste Bewertungen. Besonders auffällig ist hierbei die Qualitätsdichte in der selbsternannten „Riesling City“ Nierstein. Entlang der Rheinroute Richtung Mainz gelegen, sind Weine aus der knapp 8.000 Einwohner fassenden Stadt mittlerweile Stammgast in den Top 10. Einen neuen Popularitätsschub erhielt der Riesling zwischenzeitlich durch den amerikanischen Pop Star Pink. Die bekannte sich in einem Interview zu ihrer Riesling-Liebe. Zeit also für die Musikerin sich auf den Weg in die Heimat des Rieslings zu machen. Die geschmackliche Bandbreite der anspruchsvollen Rebe ist enorm und überwältig gut gekühlt nicht nur die Gaumen eines Weltstars. Einen weiteren prominenten Freund Rheinhessischer bzw. Wormser Weine war auch der berühmte französische Schriftsteller Victor Hugo („Der Glöckner von Notre Dame“). Dieser reiste in der Hoffnung, die Orte des Nibelungenliedes kennenzulernen, in die Nibelungenstadt Worms, zeigte sich schließlich enttäuscht von den wenigen historischen Spuren, aber umso mehr begeistert von den Wormser Weinen. Mit seinem schmeichelhaften Zitat: „Wahrhaftig, um drei Gläser Wormser Weines willen würde ich nach Worms kommen“, ziert er den Winzerbrunnen Am römischen Kaiser in der Fußgängerzone. 

Sommer, Sonne, Wein und Worms: Die Wormser Marktwinzer laden ab dem Frühjahr samstags zum entspannten Weingenuss

Die Wormser Marktwinzer, das sind, wie soll es auch anders sein, sechs Wormser Winzer, die im wöchentlichen Wechsel zum gemeinsamen Weingenuss am Rande des Wochenmarktes laden. Zwischen Dom und Dreifaltigkeitskirche ist der Marktwinzer-Treff mittlerweile nicht nur ein Geheimtipp für Marktbummelanten, sondern auch für touristische Gruppen. Sitzplatzgarnituren aufgereiht um den sehenswerten Siegfriedbrunnen laden zum Verweilen ein. Abrunden lässt sich der genussvolle Vormittag durch ein paar Leckereien wie eingelegte Oliven, Spundekäs oder dem unschlagbaren Trio „Weck, Worschd und Woi“. Selbstverständlich frisch gekauft auf dem Wochenmarkt. Zudem ist der Weinstand eine gute Gelegenheit abseits eines Weingutbesuchs ein paar köstliche Weine wahlweise als Souvenir oder für den heimischen Genuss mitzunehmen und in lockerer Atmosphäre mit dem Winzer ein Weilchen zu plauschen. Unerfahrenen Weingenießer sei allerdings geraten, sich in den Sommermonaten gut einzucremen, da der Platz nur wenig Schatten bietet und es unter der Sonne Rheinhessen mächtig heiß werden kann. Im Wechsel bieten die Weingüter Spohr, Weinmann und Klosterhof Lösch aus Worms-Abenheim, Weingut Müsel und Schäfer aus Worms-Herrnsheim sowie Helmut Kloos aus Worms-Horchheim ihre Erzeugnisse an. In den Wintermonaten gibt es zwar keinen offenen Ausschank, aber die Möglichkeit zum Flaschenkauf. Die genauen Termine lassen sich hier entnehmen:

www.weinstadt-worms.de/weinstadt/home/Wormser-MarktWinzer.php

Wormser Weinmesse

Als man vor 16 Jahren die Wormser Weinmesse ins Leben rief, ging es in erster Linie darum, das Thema Wein im Stadtbild deutlich prominenter zu platzieren. Man kann unumwunden sagen, diese Mission ist geglückt. Nachdem man im vergangenen Jahr Corona bedingt absagen musste, hoffen die Veranstalter darauf, die beliebte Weinmesse an zwei Tagen im November dieses Jahr wieder durchführen zu können. Rund 50 Winzer, die meisten aus Worms und ein paar wenige aus dem Umland, laden im stilvollen Ambiente des Tagungszentrums zum Probieren und gemeinsamen Talk über Wein ein. Wahrscheinlich gibt es keinen besseren Ort, um sich über das reichhaltige Weinangebot der Stadt ein Bild zu machen. Themenorientierte Veranstaltungen, wie „Alte Reben“ oder „Wein und Schokolade“ ermöglichen in kleinen Gruppen ergänzend zur Messe ein intensives Eintauchen in die Geheimnisse des Weines. Da die Tickets begehrt sind, lohnt es sich, rechtzeitig sich selbige zu sichern. An der Tageskasse kann es schon mal heißen, leider ausverkauft!

Weitere Infos finden Sie hier: www.worms.de/weinstadt/weinmesse/

Wormser Vinothek – Eine feste Heimat für den Wormser Wein

Seit Anfang des Sommers 2019 hat der Wormser Wein endlich auch in der Innenstadt ein festes Zuhause. In der Wormser Vinothek am Parmaplatz haben sich 16 Winzer mit dem Stadtmarketing Worms e.V. zusammengeschlossen, um dem Weinliebhaber dort 80 ausgewählte Weine zu präsentieren, davon 16 im offenen Ausschank. Die Auswahl ist darauf abgestimmt, eine möglichst umfassende Übersicht über alle wichtigen Rheinhessischen Rebsorten zu gewähren. Mit Blick auf die farbenfrohen Grünanlagen nebst Luther-Denkmal fühlt man sich in Sommermonaten schon mal wie im Urlaub. Mediterrane Geselligkeit ermöglicht schnell das Kennenlernen zuvor fremder Menschen, sodass am Ende eines Vinothekabends auch schon mal neue Freundschaften fürs Leben geschlossen werden. Abgerundet wird der Besuch durch feine kulinarische Leckereine, die natürlich abgestimmt sind auf die Ansprüche der Weine. Wer es alkoholfrei mag, kann auf rundum erfrischenden Traubensaftschorlen zurückgreifen, die natürlich auch von den Winzern kommen. Kleine Konzerte, Lesungen und angeleitete Weinproben gehören ebenfalls zum Angebot. 

Mehr Informationen finden Sie unter: www.wormser-vinothek.de