Das Wormser Kultur- und Veranstaltungsjahr 2022

Das Worms reich an Kultur und Geschichte ist, darauf habe ich in diesem Blog schon mehrfach hingewiesen. Doch Geschichte will auch gelebt werden! Ganz in diesem Sinne finden sich in Worms zahlreiche Feste und Kulturveranstaltungen, die mit der 2000 jährigen Stadthistorie verknüpft sind. Neben diesen, sagen wir mal Nischenveranstaltungen wie „wunderhoeren“, gibt es in der Stadt aber auch zahlreiche Veranstaltungen, die Jung und Alt gleichermaßen erfreuen können. Dazu gehört natürlich das größte Wein- und Volksfest am Rhein, das Backfischfest. Wer musikalische Zerstreuung sucht, dürfte bei Jazz & Joy gut aufgehoben sein und wer lieber sich mit der Wormser Weinkultur beschäftigen möchte, bekommt ebenfalls einiges geboten. Nachfolgend habe ich für interessierte Worms Besucher eine kleine Übersicht der wichtigsten und interessantesten Festen / Veranstaltungen erstellt und praktischerweise die dazugehörigen Links eingefügt:  

Vino et Musica vom 26. bis 28. Mai im Weingut Helmut Kloos

Helmut Kloos ist ein echtes Wormser Original. Nicht nur dass er der erste Winzer in der Nibelungenstadt war, der bereits in den frühen 90er Jahre seinen Betrieb auf ökologischen Weinanbau umstellte, vielmehr steht sein Name auch für Kultur und eine verschmitzten, oftmals skurrilen Humor. Beides begegnet einem bei einem Besuch des beliebten Hoffestes Vino et Musica. Neben der Jahrgangspräsentation der 2021er Weine, bietet der Winzer am Christi Himmelfahrt Wochenende ein abwechslungsreiches Musikprogramm zwischen Folk, Rock und Weltmusik. Eröffnet wird das Programm am Feiertag mit einer Weinprobe. An drei Abenden verwandelt sich schließlich das kleine Weingut in einer Open Air Konzert Arena. Selbstverständlich werden zu allen Programmpunkten kleine pfälzische und rheinhessische Köstlichkeiten von deftig bis leicht gereicht. Wer mehr von Helmut Kloos hören und schmecken möchte, hat in der Adventszeit auf der Nibelungen Weihnacht dazu die Gelegenheit. Dort betreibt er regelmäßig seine Glühweinbude, die ebenfalls von einem unterhaltsamen Programm inklusive eines Einhorn Karussells begleitet wird. 

Weitere Infos: www.weingut-kloos.de


Wormser Pfingstmarkt vom 3. bis 11. Juni auf dem Festplatz

Der Wormser Pfingstmarkt ist eine eigenwillige Hybridveranstaltung aus Jahrmarkt und Gewerbeschau. Auf dem Jahrmarktsteil, der auf der südlichen Hälfte des Festplatzes untergebracht ist, findet man die übliche Mischung aus Fahrgeschäften, Imbissstände, Gartenwirtschaften und Jahrmarktsbuden. Auf der nördlichen Hälfte ist wiederum die Messe untergebracht. Ungefähr 100 Aussteller teilen sich dort die rund 6.000 Quadratmeter große Fläche. Ein Großteil ist in Zelten untergebracht. Das Angebot reicht von Polstermöbeln bis hin zu Ersatzteilen für den Swimmingpool oder den neuesten Staubsauger. Auf der Freifläche präsentieren sich wiederum verschiedene Autohändler mit ihren neuesten Modellen. Erstmals wird es in diesem Jahr auch eine Wormser Händlermeile geben. Der Eintritt zur Gewerbeausstellung und zum Jahrmarkt ist frei. Während der Jahrmarkt bis 23 Uhr geöffnet ist, schließt der Gewerbeteil bereits um 21 Uhr. Im Übrigen hat selbst der Wormser Pfingstmarkt einen historischen Hintergrund. Da die Stadt durch Kaiser Friedrich II. bereits 1243 Marktrechte verliehen wurden, war es den Wormsern nun möglich, in der Zeit nach Ostern für zwei Wochen einen Jahrmarkt abzuhalten. Sein heutiges Gesicht erhielt der Markt wiederum 1972.

Infos: www.wormser-pfingstmarkt.de


Spectaculum vom 27. Bis 29. Mai im Wormser Wäldchen

Nachdem Mittelalterfreunde in den vergangenen zwei Jahren coronabedingt auf das bunte Treiben am Fuße des Äschebuckels verzichten mussten, soll der beliebte Mittelaltermarkt in diesem Jahr wieder seine Rückkehr feiern. Der Markt ist der größte in Deutschlands Südwesten. In normalen Zeiten finden rund 20.000 Menschen den Weg zu dem Mittelaltermarkt inmitten des Wormser Wäldchens. Geboten wird eine Mischung aus Händlermeile, selbstverständlich mit mittelalterlichen Produkten, Gauklermarkt, Open Air Festival (es gibt zwei Bühnen) und einem Zeltlager für Gewandete. Zudem werden publikumstauglich Feldschlachten inszeniert und Duelle mit Schwert und Morgenstern ausgetragen. Wer sich näher für die Lebensweise in mittelalterlichen Tagen interessiert, kann bei den verschiedenen Workshops fündig werden. Die meisten sind kostenfrei. Mittelalterliche Gewandung ist willkommen, aber nicht Pflicht bei diesem Eintauchen in eine andere Welt. Das Programm wird Anfang Mai bekanntgegeben. 

Weitere Infos (Programm, Zeiten, Preise, Corona Regeln etc.): https://www.spectaculum-worms.de


Nibelunge nei besunge — ein Dramödical des Wormser Liederkranz vom 24. bis 26. Juni in der Aula Hochschule Worms

Auch in diesem Jahr ist einmal mehr vielerorts Fastnacht ausgefallen, auch in Worms. Doch bekanntlich macht man ja gerne aus der Not eine Tugend. Und so hat der Wormser Liederkranz, einer der erfolgreichsten Fastnachtsvereine in Worms, kurzerhand beschlossen, aus der traditionellen Damensitzung einfach so eine Art Festspiele light in diesem Sommer zu machen. Wie sich das für einen Wormser Traditionsverein gehört, kommt auch dieser an dem Thema Nibelungen nicht vorbei. Geschrieben wird das Stück von regionalen Fastnachtsgrößen, die im Rahmen der Damensitzungen bereits erfolgreich unter Beweis stellten, dass sie das Talent besitzen, dem Publikum Tränen des Lachens in die Augen zu treiben. Da es sich um eine Mischung aus Drama, Komödie und Musical handelt, ist natürlich auch die musikalische Begleitung wichtig. Für die sorgt ebenfalls eine erfahrender Karnevalist, der Journalist (Mannheimer Morgen) und Musiker Bernhard Zinke. Das Dramödical interpretiert die Nibelungensage völlig neu und hält für den Zuschauer manche Überraschung bereit. Aktualität bekommt das Bühnenstück durch die dramatische weltpolitische Lage. Wer die Mitautorin Mechthild Vogel kennt, weiß, mit welch spitzer Feder sie brisantes satirisch auf den Punkt bringen kann. Rund 80 Aktive des Wormser Liederkranz zeigen mit Schauspiel, Gesang und Tanz, wie es auch anders gehen kann. Vielleicht sollten die Politiker dieser Welt ein Ticket lösen, um zu lernen, wie man die Welt ein ganzes Stückchen friedlicher machen kann. 

Die rund 2 1/2 stündige Theateraufführung findet am 24., 25. und 26. Juni 2022 in der Aula der Hochschule Worms statt. Beginn am Freitag und Samstag ist jeweils 19:30h, am Sonntag bereits um 17:30h. Zur Einstimmung auf den Abend wird bereits 1 1/2 Stunden vor Veranstaltungsbeginn und in der Pause ein Caterer für das leibliche Wohl sorgen. Im Saal findet wiederum keine Bewirtung statt. Die Tickets kosten 25 Euro und dürften sehr begehrt sein.

Tickets und weitere Infos: www.Wormser-Liederkranz.de  


Wormser Kulturnacht am 25. Juni in der Innenstadt

Für den Wormser Kulturkoordinator Dr. David Maier ist die Kulturnacht das schönste Festival in der Innenstadt, da es eine Veranstaltung von Wormser für Wormser und Besucher sei. Im Mittelpunkt stehen lokale Künstler/innen, denen die Möglichkeit geboten wird, an einem Abend an ungewöhnlichen Orten in der Innenstadt ihre Kunst zu präsentieren. Egal ob Malerei, Musik, Theater, Kino oder andere Ausdrucksarten, die Besucher erwartet nach zwei jähriger Pause mit Sicherheit wieder ein abwechslungsreiches Programm. Für Besucher bietet dieser Samstagabend von Kultur zudem die Möglichkeit, flanierend mit einem Wein in der Hand, die schönsten Ecken der Nibelungenstadt kennenzulernen. Die Veranstaltung beginnt in der Regel um 19 Uhr. In den vergangenen Jahren konnten Besucher/innen zwischen 30 Programmpunkten an ebenso vielen Orten wählen. Da sollte mit Sicherheit für jeden etwas dabei sein. Da die Veranstaltung kostenpflichtig ist, muss man vorher ein Bändchen an einer der Abendkassen oder im Vorverkauf erwerben. Mit dem hat man schließlich an allen Örtlichkeiten Zutritt. 

Infos: www.worms-erleben.de


Nibelungen-Festspiele vom 15. Juli bis 31. Juli 

Noch sind die Infos spärlich. Bekannt ist, dass die diesjährige Aufführung bereits 2020 seine Premiere hätte feiern sollen. Doch Corona machte den Planungen ein Strich durch die Rechnung. Nun soll die „hildensaga. ein königinnendrama“ am 15. Juli seine Premiere feiern. Die Zeichen stehen gut, nachdem die Veranstalter im vergangenen Jahr schon mal im Corona-Modus üben konnten. Zu hoffen bleibt, dass man diesen 2022 verlassen darf. Die Zuschauer erwartet ein Stück verfasst von dem österreichischen Dramatiker Ferdinand Schmalz. Wie der Titel schon suggeriert, stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Interpretation des bekannten Nibelungenliedes die beiden weichblichen Hauptfiguren Kriemhild und Brünhild. 

Zu den Darstellern war zum Zeitpunkt des Textes noch nichts bekannt. Üblicherweise ist die Besetzung jedoch eine Mischung aus bekannten Schauspieler/innen aus Film oder TV und weniger bekannten, aber renommierten Theaterdarstellern. In der Vergangenheit tummelten sich Größen wie Jürgen Prochnow, Klaus Maria Brandauer oder Uwe Ochsenknecht auf der Bühne vor dem Wormser Dom. Inszeniert wird das Stück von dem Schweizer Regisseur Roger Vontobel, der zu den Regiestars des deutschsprachigen Theaters gehört und Wormsern bestens in Erinnerung sein dürfte. Bereits 2018 inszenierte er „Siegfrieds Erben“ und begeisterte Presse wie Publikum gleichermaßen. Vontobel zeichnet sich durch eine opulente Bildersprache aus, die auch keine Scheu vor dem Einsatz aufwendiger Videotechnik hat. So brachte er mit einer gezielt eingesetzten Videoinstallation den ehrfürchtigen Dom vor den Augen des Publikums von „Siegfrieds Erben“ zum Erzittern. Auch in diesem Jahr möchte Vontobel das Auge ebenso beeindrucken wie den Verstand des Publikums. Für das Auge gibt es erneut technische Spielereien und eine aufwendige Wasserwelt zu Füßen des Doms. Die Wasserlandschaft wird mit variablen Stegen, gezielten Wassereffekten, Licht und Video permanent verändert. Mal ist es die ferne Wasserwelt von Island, mal wird sie zum opulenten Swimming-Pool der Nibelungen und schließlich zur mythischen Zauberwelt. Wie der dänische Bühnenbildner Palle Steen Christensen erklärt, ist das Wasser Projektionsfläche und Spiegel zugleich.

Begleitet werden die Festspiele von einem Kulturprogramm. Das Programm ist breit gefächert und reicht von Konzerten bis zu einem wissenschaftlichen Kolloquium der Nibelungenliedgesellschaft. Prominentester Gast im Begleitprogramm ist die Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabei, die bereits selbst im Hauptstück mitspielte und in diesem Jahr als Sängerin in Worms auftritt (30. Juli im Wormser Theater). Mit im Gepäck hat sie ihr drittes Album „Jagd auf Rehe“. Wer ein wenig mehr Informationen zu dem Hauptstück möchte, hat zweierlei Möglichkeiten. Wer sich vor dem Theaterbesuch von „hildensaga. ein königinnendrama“ zum Stück informieren möchte, hat dazu bei der Online-Einführung Gelegenheit. Bereits im vergangenen Jahr gab es die Erläuterungen zur Inszenierung ausschließlich digital, mit vielen positiven Rückmeldungen vom Publikum. Und auch in diesem Jahr wird die Einführung nur im Netz stattfinden und ist ab dem 15. Juli auf der Website www.nibelungenfestspiele.de abrufbar.

Eine weitere Möglichkeit bietet sich bei den Theaterbegegnungen. Wie der Name bereits verrät, setzt man hier auf echte Begegnungen und das am Sonntagmorgen nach der Premiere (17. Juli). Dann setzen sich im märchenhaften Ambiente des Heylshof Autor Ferdinand Schmalz, der künstlerische Leiter Thomas Lauer und eventuell auch Intendant Nico Hofmann zusammen, um über das Stück zu plaudern. Unter dem Namen „Perspektivwechsel“ diskutiert bei dieser entspannten Veranstaltung die Autorin Felicitas Hoppe mit. Hoppe veröffentlichte im letzten Herbst das vielfach gelobte Buch „Die Nibelungen. Ein deutscher Stummfilm“. Abgerundet wird der Vormittag durch musikalische Beiträge des Festspielensembles und der Präsentation eines Jugendworkshops. Dazwischen lädt die Veranstaltung im Park dazu ein, am frühen Sonntag entspannt zum Beispiel einen echten Wormser Riesling unter der Sommersonne zu gennießen. 

Familien können sich auf den Kinder- und Familientag (24. Juli) freuen. An diesem Tag muss sich muss sich die gediegene Festspielidylle im Park dem bunten Treiben der Kinder beugen. Theatervorstellungen, Basteln, Schminken, Walking Acts und Spielangebote versprechen einen hohen Spaßfaktor. Die Veranstaltung ist kostenlos. Tickets sind dennoch notwendig. Diese müssen vorher über den Ticket Service der Festspiele geordert werden. 

Infos und Tickets: www.nibelungenfestspiele.de 


Schlager Bäm am 16. Juli auf dem Festplatz / Rhein

Die Freunde von Schlagermusik sollten sich den 16. Juli 2022 ganz dick im Kalender anstreichen. Beim Schlager Bäm werden Szenegrößen wie DJ Ötzi, Kerstin Ott, Bernhard Brink oder Michelle auf dem Wormser Festplatz auftreten. Der Veranstalter rechnet derzeit mit knapp 5.000 Besuchern zu diesem besonderen Schlagertreffen. „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ von DJ Ötzi wird an diesem Abend ebenso aus Tausenden Kehlen begleitet werden wie „Die immer lacht“ von Kerstin Ott. Mit Bernhard Brink und Michelle sind zwei alte Showhasen genauso am Start wie Sonia Liebing und Undine Lux, mit denen der regionale Veranstalter Karl-Heinz Gauch die Zukunft des Deutschen Schlagers eingeladen hat. Weitere Überraschungen verspricht der Alzeyer für diesen Abend, den er bereits seit Längerem geplant hatte und der nun 2022 endlich umgesetzt werden soll. Los geht es an diesem Samstag im Juli um 17 Uhr. Einlass ist bereits um 15 Uhr. Sollte die Veranstaltung erfolgreich sein, möchte der Alzeyer den Schlager Bäm als Reihe in Worms etablieren. 

Ticket Informationen finden Sie hier: https://wo-magazin.de/das-lebern-feiern-mit-dem-schlager-baem/


Jazz & Joy vom 19. Bis 21. August 

Seit 31 Jahren gehört das Festival zu den regionalen Topfestivals. Wie der Name schon verrät, spielt Jazz eine nicht ganz unwichtige Rolle. Dominiert wird das Programm allerdings vom Joy. Der war zuletzt sicherlich etwas eingeschränkt. So sorgte Corona dafür, dass das Festival 2020 pausieren musste. Im vergangen Jahr konnte Jazz & Joy wieder unter Corona Bedingungen stattfinden. Für die Organisatoren Glück und Last zugleich. Einerseits konnte man Musikern die Möglichkeit bieten, wieder vor Publikum zu spielen, andererseits litt die Atmosphäre und die Einnahmen unter den zahlreichen Vorgaben wie ein reduziertes Platzkontingent, Stuhl- und Maskenpflicht und dem Umstand, dass man nicht zwischen den Bühnen, von denen es ohnehin nur zwei gab, pendeln konnte. In diesem Jahr wollen die Veranstalter wieder zur alten Form zurückkehren. Das heißt, fünf Bühnen verteilt rund um den Wormser Dom. Ebenso soll wieder das Flanieren zwischen den Bühnen möglich sein. Begleitet wird das Flanieren von zahlreichen Gastronomen, die Wein und andere Köstlichkeiten auch außerhalt der Festivalbühnen anbieten, sodass auch Personen ohne Ticket das Festivalflair genießen können. Die größte Bühne befindet sich auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Dort findet auch am ersten Festivaltag das Sonderkonzert statt (das Ticket ist nicht im 3-Tages-Jazz & Joy-Ticket enthalten). Bespielt wird die Bühne in diesem Jahr von der deutschsprachigen Popband Silbermond. Die versprechen wiederum ein mitreißendes Liveerlebnis.  

Tickets und Infos: www.jazzandjoy.de


Backfischfest vom 27. August bis 4. September

Für nicht wenige Wormser ist es der definitive Jahreshöhepunkt, das Wormser Backfischfest. Zugleich ist es das größte Fest entlang des Rheins, das Volksfest und Weinfest miteinander kombiniert. Für Weinfreunde sind beliebte Anlaufpunkte der Wonnegauer Weinkeller, in dem sich rund 50 rheinhessische Winzer mit ihren Rebensäften versammeln, und der Stiftskeller, der ebenfalls eine stattliche Zahl von Weinen aus Rheinhessen, aber auch aus der Pfalz präsentiert. Der Wonnegauer Weinkeller, der in einem Zelt untergebracht ist, fast knapp 2.000 Besucher. Das bedeutet in normalen Zeiten, dass es insbesondere am Wochenende in dem Zelt sehr voll ist. Man darf getrost davon ausgehen, dass in Zeiten von Corona die Zahl des Publikums etwas kleiner ausfallen dürfte. Neben köstlichen Weinen lockt der „Weinkeller“ auch mit Live Musik und DJ Partys, bei denen das ein oder andere Paar im Laufe des Abends schon zueinander gefunden haben soll. Der Festplatz selbst wird zusätzlich gesäumt von Fahrgeschäften, inklusive des für das Backfischfest obligatorischen Riesenrades, Jahrmarktsbuden wie Dosen- oder Pfeilewerfen sowie einer vielfältigen Gastronomie. Selbstverständlich gehört auf einem Backfischfest auch ein ordentlicher Backfisch, den man in der Fischbraterei unweit des Weinkellers bekommt. Das Wort Backfisch hat in Bezug auf das Fest eine doppelte Bedeutung. Einmal bezieht es sich auf die Fischerzunft, die in Worms am Rhein in früheren Jahren stark vertreten war, andererseits bezieht sich das Wort auf junge, hübsche Frauen. So gibt es auch in jedem Jahr eine offizielle Backfischbraut. Die ist wiederum an der Seite des „Bojemääschters vun de Fischerwääd“ zu finden. Die Fischerwääd, es gibt eigentlich zwei davon, nämlich die Große und die Kleine, ist wiederum eine Straße, in der einst hauptsächlich Fischer lebten. Heute steht die Straße, die in unmittelbarer Nähe des Festplatzes ist, für das Brauchtum jener Zunft. Ein Museum in der Großen Fischerweide (so heißt sie im ordentlichen Amtsdeutsch) erinnert an diese für Worms wichtige Berufsgruppe. An einem Tag, nämlich am Backfischfest Mittwoch, wird in dieser Straße auch die Fischerwääderkerb gefeiert. Zum Begleitprogramm des Zehn-Tages-Festes gehört neben dieser Kerb auch ein aufwendiger Umzug am ersten Sonntag, der durch die gesamte Innenstadt läuft und in der Fischerwääd endet. Beschlossen wird das Backfischfest am letzten Sonntag durch ein visuell berauschendes Feuerwerk über dem Rhein. 

Infos unter: www.backfischfest.de 


Fest der Kulturen am 17. September 

Auch das einzige Fest in der Stadt, das dem multikulturellen Worms ein Gesicht gibt, musste sich dem Virus beugen und findet in diesem Jahr nach zwei jähriger Abstinenz wieder an seinem angestammten Platz am Obermarkt statt. Veranstaltet wird dieses Treffen der Kulturen vom „Interkulturellen Runden Tisch“. Neben allerlei Leckereien der teilnehmenden Verbände gibt es dort jede Menge Informationen und ein kleines, aber feines Kulturprogramm. Gerade in einer Stadt wie Worms, deren Migrationshintergrund in der Bevölkerung bei mittlerweile rund 30 Prozent liegt, kommt diesem Fest eine besondere Bedeutung zu, denn der Schlüssel zu einem friedliche Miteinander liegt im Verständnis für die andere Kultur und die kann man dort kennenlernen. 


Wormser Weinmesse am 5. Und 6. November im Wormser Tagungszentrum 

Wie in meinem Blog an anderer Stelle erwähnt ist Worms die drittgrößte weinbautreibende Gemeinde in Deutschland und Rheinhessen wiederum das größte Anbaugebiet. Was liegt also näher, viele Winzer einem Ort zu versammeln, um gemeinsam den Menschen einen Überblick auf die vielfältigen Erzeugnisse zu gewähren. Beim Überblick soll es aber nicht bleiben, denn das Probieren kann durch keine Broschüre und keine Unterhaltung ersetzt werden. Doch Vorsicht, wer den Ehrgeiz hat, alle Weine kennenzulernen, sollte zuvor gut gespeist haben. Bei rund 30 Winzern und dementsprechend rund 300 bis 350 Weinen im Angebot, ist es nahezu unmöglich, eine Gesamtübersicht zu bekommen. Viele Besucher entscheiden sich daher für einen zweitägigen Besuch der Messe. Während der Samstag den Weißweinen gehört, widmet man sich am Sonntag ausgiebig den Rotweinen und Rosés. 

Infos unter: www.weinstadt-worms.de


Nibelungen Weihnacht Ende November bis zum 23. Dezember in der Innenstadt

Mit den Nibelungen hat der Weihnachtsmarkt eigentlich nicht viel zu tun, außer dass er im Herzen der Nibelungenstadt stattfindet. Da die Nibelungen aber nun mal untrennbar mit der Stadt verbunden sind, hielten es die städtischen Verantwortlichen für eine gute Idee, dem Markt vor ein paar Jahren einen neuen Namen zu verpassen. Rund 50 Buden schlängeln sich durch die Innenstadt. Wie in anderen Städten gibt es auch hier die bewährte Mischung aus Glühwein, Bratwurst und allerlei Händler, die mal mehr, mal weniger weihnachtliches  anbieten. Ein interessanter Hingucker sind die sogenannten Wechselbuden. Die können von Vereinen, Geschäfts- oder auch Privatleuten angemietet werden und garantieren zwischen Stricksocken und Duftkerzen ein gewisses Maß an Abwechslung. Was man auf keinen Fall versäumen sollte, ist ein Besuch bei dem Öko-Winzer Helmut Kloos (siehe auch Vino et Musica). Dieser schenkt nicht einfach seinen Glühwein aus. Nein, Helmut Kloos lebt diesen Markt. So lässt er sich in jedem Jahr eine Rahmengeschichte für seine Bude einfallen, die auf amüsante Art und Weise aktuelle Themen aufgreift. Kultverdächtig sind seine Handpuppen (!) die Glühweingretel und Frau Kuddelmuddel, die auch gerne mal mit den Gästen einen kleinen Plausch abhalten. Kloos sorgt mit Konzerten, kleinen Lesungen oder dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern für ein buntes und abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Highlight ist natürlich der würzige Bio Glühwein, der direkt vor Ort angesetzt wird und somit an Frische nicht zu toppen ist. Der Glühwein ist in Weiß und Rot erhältlich. Wer es alkoholfrei mag, sei der Wunschpunsch wärmstens empfohlen. Während die meisten Glühwein Gastronomen als alkoholfreie Variante erwärmte Säfte verkaufen, ist auch der Wunschpunsch eine dem Glühwein ebenbürtige Kreation, dessen Rezept der Winzer natürlich nicht verrät. Der größte Glühweintreff befindet sich wiederum auf dem Obermarkt vor dem Amtsgericht. Dort bieten zwei Schaustellerfamilien ihre wärmenden Getränke an. Hier setzt man weniger auf Kultur. Im Mittelpunkt steht eher eine Apres Ski Stimmung, sodass es für jeden Weihnachtsmarktbesucher möglich sein sollte, ein besinnliches Plätzchen für unterschiedliche Ansprüche zu finden. 


Jüdische Kulturtage

Unbekannt sind ebenfalls dieTermine und Inhalte der diesjährigen „Jüdischen Kulturtage“, die auch unter dem Namen „SchUM-Kulturtage“ zu finden sind. Dieser Reihe, die es seit ein paar Jahren gibt, kommt nach der Aufnahme in die Unesco Welterbe Liste eine ganz besondere Bedeutung zu. Denn schließlich reicht es nicht, das historische Erbe zu verwalten, sondern es soll auch mit Leben gefüllt werden. Dazu gehörte im vergangenen Jahr die Veröffentlichung eines zweiten Buches zu den in Worms verlegten „Stolpersteine“ oder die eindrucksvolle Dauerlesung „Ich will Zeugnis ablegen…“ mit regional bekannten Rezitator Karl-Heinz Deichelmann. Man darf also gespannt sein, was dieses kleine, aber feine Kulturfestival in diesem Jahr zu bieten hat. 

 

Infos: https://schumstaedte.de/schum/juedische-kulturtage/


Wunderhoeren – Tage alter Musik und Literatur

In einer der ältesten Städte Deutschlands ist es natürlich Pflicht, neben einem Mittelaltermarkt für die Massen, auch auf mittelalterliche Kultur aufmerksam zu machen. Seit 2011 gewährt das Nischenfestival alle zwei Jahre einen Ausflug in mittelalterliche Kompositions- und Schreibkunst. Das heißt nicht, dass es nur Minnegesang bei den Konzerten zu hören gibt, denn die Veranstalter scheuen auch nicht den Crossover zwischen Genres und Epochen, sodass auch zeitgemäße Interpretationen der Thematik zu Gehör kommen. Ein konkretes Programm gibt es nicht. Fünf Veranstaltungen sind in über das Jahr verteilt geplant. 

Weitere Infos:  www.wunderhoeren.de


Sonderausstellung 900 Jahre Wormser Konkordat im Museum im Andreasstift

Es geht zu den magischen Jahreszahlen, die man im Geschichtsunterricht lernt und nie wieder vergisst, das Wormser Konkordat 1122. Dieses ist auch als direkte Folge des historisch ebenso berühmten „Gang nach Canossa“ zu verstehen. Vom 24. September bis 30. Dezember 2022 soll die Geschichte des Investiturstreites „modern und spielerisch“ präsentiert werden. Im mittelalterlichen Europa stritten der Kaiser und der Papst um die Vorherrschaft – ein Kampf um die Macht, der in Worms begann und dort auch endete: Mit dem Wormser Konkordat wurde der Konflikt beigelegt. 

Bevor die Sonderausstellung eröffnet, wird am 30. April und 1. Mai die Dauerausstellung, deren Hauptthema die Geschichte der Stadt Worms ist, wiedereröffnet. Ein Museumswochenende lädt Interessierte bei kostenlosen Eintritt in die Gemäuer des rund 1000 Jahre alten Gebäudes. Der Altertumsverein, dem ein Großteil der historischen Sammlung des Museums gehört, bietet darüber hinaus an diesem Wochenende Führungen an. Danach ist die Ausstellung zu den normalen Öffnungszeiten des Museums besuchbar.  

Infos: https://www.museum-andreasstift.de/museum-andreasstift/

Errante Vinothek und Restaurant – Genießen wie ein junger Römer in Worms

In einer Stadt, die geprägt ist vom römischen Erbe, dem Wein, und die als das Tor zur deutschen Toskana bezeichnet wird, ist eine Vinothek, die genau dieses Erbe in den Mittelpunkt stellt, unabdinglich. Die Mischung, die der Gast in den Räumlichkeiten vorfindet, ist in Worms einzigartig: Lebensmittelmarkt trifft Vinothek trifft Restaurant!

Gekoppelt mit einem Lebensmittelmarkt, der selbstverständlich ausgesuchte italienische Produkte anbietet, kann man sozusagen nach dem Besuch des Restaurants seine Lieblingszutaten bzw. Lieblingswein direkt einpacken und zuhause das Italienerlebnis noch einmal in den heimischen vier Wänden genießen. Original ist es natürlich nur im entsprechenden Ambiente der Errante Vinothek.

Man sitzt förmlich in einem Meer von Weinen, die den Eindruck erwecken, ganz Italien hätte in diesen vier Wänden Einzug gehalten. Man kann zwischen Proseccos, Grappas und italienischen Limonaden wählen, genießt den aromatischen Duft erlesener Olivenöle von der Toskana bis nach Sizilien oder lässt sich verführen von italienischer Kaffeekunst.

Inspiriert vom überwältigenden Angebot greift man einfach ins Regal, nimmt sich die Flasche seiner Wahl, schlendert mit mediterraner Lässigkeit zur Bar, an der man etwas zum Essen bestellt, empfohlen seien hier stellvertretend die unschlagbar köstlichen Antipasti-Platten, sucht sich einen Platz in den gemütlichen Innenräumen oder auf der Sommerterrasse umringt von Olivenbäumen und genießt einfach das dolche Vita italienischer Lebensart.

Das Besondere, bei den Weinen zahlt man lediglich den Regalpreis plus ein sogenanntes Korkgeld von 5 Euro für den Genuss vor Ort. Um das Angebot zu komplettieren gibt es regelmäßig kulinarische Events oder auch After-Work-Partys, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

 

Weinstadt Worms – Das Weinherz von Rheinhessen

Worms und Wein, das sind zwei, die nicht nur aufgrund desselben Anfangsbuchstabens untrennbar miteinander verbunden sind. Als ca. 50 v.Chr. erstmals die Römer in dem Gebiet ankamen, das heute Worms ist, sorgten sie nicht nur für die ersten städtischen Strukturen, sondern sie brachten zugleich auch den Wein mit. Da der Transport für das beliebte Getränk auf Dauer zu aufwendig war, begann man wie zuvor in Gallien, auch in der neuen Provinz seine eigenen Reben zu pflegen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Wein für die Region wirtschaftlich immer bedeutender. Worms ist heute die drittgrößte Weinbautreibendegemeinde (nach Neustadt und Landau). Rund 80 Winzer pflegen heute die Weinbautradition. Worms liegt wiederum in Rheinhessen, dem größten Weinanbaugebiet Deutschlands. Insbesondere das milde Klima in Rheinhessen, viel Sonne, gepaart mit wenig Niederschlag, schafft ideale Bedingungen für einen rundum gelungenen Wein. Die Hügellandschaft Rheinhessens ist daher geprägt von endlos sich aneinanderreihenden Rebflächen. Ein Hauptteil der süßen Frucht, knapp 73 Prozent, ist dem Weißwein vorbehalten. Davon beansprucht der Riesling die meisten Reben und sorgt bei Weinprämierungen regelmäßig für Furore. Auch im gesellschaftlichen Leben spielt der Wein hier eine große Rolle. Zahlreiche Weinfeste, Straußwirtschaften, Vinotheken und Weinmessen zeugen von dieser Liebe zum Wein. In Worms erlebt das Weinfeiern mit dem Backfischfest und dem dazugehörigen Wonnegauer Weinkeller Ende August seinen Höhepunkt. In Form der Marktwinzer ist er nahezu ganzjährig samstags auf dem Wochenmarkt vertreten. 

Liebfrauenmilch – Ein Wein geht um die Welt

Die bekanntesten Weinanbauflächen in Worms sind das Luginsland und das Liebfrauenstift. Beide Rebflächen befinden sich inmitten der Stadt. Besonders der Wein, der aus dem Liebfrauenstift hervorgeht und unter dem Namen Liebfrauenmilch vermarktet wurde, sorgte dafür, dass die Weinstadt Worms auch weltweit Ansehen genoss. Die 17 Hektar kleine Weinlage um die Liebfrauenkirche herum ist von Mauern umgeben und damit besonders windgeschützt. Wie eine Patronin wacht die zwischen 1267 und 1465 erbaute Kirche über das „Kirchenstück“ und spendet wichtigen Schatten. Die Reben profitieren zudem von dem etwas wärmeren Klima der Stadt und der Nähe zum Rhein. Nachdem der holländische Kaufmann P.J. Valckenberg die städtischen Weinlagen erwarb, begann der den Wein zunächst europaweit zu verkaufen. Insbesondere England, inklusive des englischen Königshauses, erwies sich als freudige Abnehmer. Bald darauf schaffte es der kostbare Tropfen auch nach Amerika, wo er nachweislich im Restaurant des Ritz-Carlton in New York kredenzt wurde. Die Liebfrauenmilch wurde zum Exportschlage und schaffte es sogar in schwindelerregende Höhen. Bei der ersten Weltumrundung des Zeppelins 1929 waren 2 von 10 an Bord angebotenen Weißweinen Wormser „Liebfraumilch“.  Fehlende Gesetze zum Schutze einer Marke führten dazu, dass immer mehr Weinhändler und Winzer begannen, ihren Rebensaft Liebfrauenmilch zu taufen, ohne jedoch den Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Weinkontor Valckenberg fügte schließlich die Lage „Kirchenstück“ hinzu und ließ sich diesen Begriff schützen. Wer also einen Wein mit dem Namen „Liebfrauenstift-Kirchenstück“ in der Hand hält, weiß, dass es sich hierbei um das einzig echte Original handelt. 10 Hektar der Flächen werden mittlerweile von dem frisch gegründeten Weingut am Dom bewirtschaftet. Die restlichen Flächen werden von den Wormser Weingütern Spohr, Schembs und sowie dem Gundheimer Weingut Gutzler gepflegt. Bei den Liebfrauenstift-Weinen handelt es sich um Rieslinge, die sowohl trocken als auch lieblich ausgebaut werden.  

Wo kommt eigentlich der Riesling her? Natürlich aus Rheinhessen….

Der bedeutende deutsche Weinbau Historiker Friedrich von Bassermann-Jordan bemerkte in seinem 1907 erschienenen zweibändigen Werk „Geschichte des Weinbaus“, dass die Herkunft der „wichtigsten deutschen Weißweinrebe – des Rieslings“ wohl nie beweiskräftig aufzuklären sein werde. Hartnäckig hält sich bis heute die Theorie, dass der Riesling von der Mosel an den Rhein gelangte. Bassermann-Jordan verweist in seinem Werk allerdings auf eine Literaturquelle von 1857, nach der „die Gegend von Neustadt/Weinstraße nach Worms als Urheimat des Rieslings“ angesehen werde könne. Im „Rebsortenratgeber Rheinhessen“, der 1978 von der Erzeugergemeinschaft Rheinhessischer Rebenveredler herausgegeben wurde, heißt es zum Riesling: „Die Herkunft des Rieslings konnte nicht genau ermittelt werden. Vieles deutet allerdings auf den Wonnegau hin. Der Wonnegau ist wiederum eine südliche Region Rheinhessens, zu der auch Worms gehört. Erstmals wurde im Jahre 1490 eine Rieslinganbaufläche mit einer Größe eines „halben Morgen“ in Pfeddersheim urkundlich erwähnt. Der heutige größte Wormser Stadtteil genoss zur damaligen Zeit eigenständige Stadtrechte und gehört seit 1969 zu Worms.  Ein weiteres Indiz, dass den Riesling noch früher in Worms und Region verortet, will der Autor Dieter Braaz gefunden haben. Wikipedia verweist in einem Eintrag zum Thema Riesling auf dessen „Wine Atlas of Germany“. Darin erklärt der Autor, dass die erste schriftliche Erwähnung der Rebe Riesling und der Stadt Worms bereits auf das Jahr 1402 zurückginge. Einen Beleg für diese Behauptung bleibt er allerdings schuldig. Tatsächlich stammt das älteste Schriftstück, in dem die beliebte Rebe erwähnt wird, aus dem Jahre 1435. Der Verwalter der Burg zur Rüsselsheim vermerkte den Ankauf von Riesling-Setzreben, die man im eigenen Weingarten verpflanzte. Aber wie kamen die Reben in die Opelstadt? Es gibt zwar keine urkundlichen Erwähnungen, allerdings besagt die Legende, dass Graf Johann IV aus dem Geschlecht der Katzenelnbogen, zu dessen Grafschaft auch der besagte Weingarten gehörte, sich 1435 auf Einkaufstour befand. Die führte ihn auch nach Pfeddersheim, wo er Wein kaufte. Ob er dort auch die Setzlinge kaufte, ist indes nicht belegt. 

Wo auch immer der Riesling zuerst seine Wurzeln in die Erde grub, fest steht, dass dieser untrennbar mit Rheinhessen und somit auch mit Worms verbunden ist. Das zeigt bereits der Anteil der Rebflächen. Dieser liegt bei den Weißweinreben bei 18 Prozent. Den zweiten Platz nimmt der etwas weniger glamouröse Müller Thurgau ein. In Weinverkostungen der Feinschmeckermagazine und Blogs sorgen Rheinhessische Riesling regelmäßig für beste Bewertungen. Besonders auffällig ist hierbei die Qualitätsdichte in der selbsternannten „Riesling City“ Nierstein. Entlang der Rheinroute Richtung Mainz gelegen, sind Weine aus der knapp 8.000 Einwohner fassenden Stadt mittlerweile Stammgast in den Top 10. Einen neuen Popularitätsschub erhielt der Riesling zwischenzeitlich durch den amerikanischen Pop Star Pink. Die bekannte sich in einem Interview zu ihrer Riesling-Liebe. Zeit also für die Musikerin sich auf den Weg in die Heimat des Rieslings zu machen. Die geschmackliche Bandbreite der anspruchsvollen Rebe ist enorm und überwältig gut gekühlt nicht nur die Gaumen eines Weltstars. Einen weiteren prominenten Freund Rheinhessischer bzw. Wormser Weine war auch der berühmte französische Schriftsteller Victor Hugo („Der Glöckner von Notre Dame“). Dieser reiste in der Hoffnung, die Orte des Nibelungenliedes kennenzulernen, in die Nibelungenstadt Worms, zeigte sich schließlich enttäuscht von den wenigen historischen Spuren, aber umso mehr begeistert von den Wormser Weinen. Mit seinem schmeichelhaften Zitat: „Wahrhaftig, um drei Gläser Wormser Weines willen würde ich nach Worms kommen“, ziert er den Winzerbrunnen Am römischen Kaiser in der Fußgängerzone. 

Sommer, Sonne, Wein und Worms: Die Wormser Marktwinzer laden ab dem Frühjahr samstags zum entspannten Weingenuss

Die Wormser Marktwinzer, das sind, wie soll es auch anders sein, sechs Wormser Winzer, die im wöchentlichen Wechsel zum gemeinsamen Weingenuss am Rande des Wochenmarktes laden. Zwischen Dom und Dreifaltigkeitskirche ist der Marktwinzer-Treff mittlerweile nicht nur ein Geheimtipp für Marktbummelanten, sondern auch für touristische Gruppen. Sitzplatzgarnituren aufgereiht um den sehenswerten Siegfriedbrunnen laden zum Verweilen ein. Abrunden lässt sich der genussvolle Vormittag durch ein paar Leckereien wie eingelegte Oliven, Spundekäs oder dem unschlagbaren Trio „Weck, Worschd und Woi“. Selbstverständlich frisch gekauft auf dem Wochenmarkt. Zudem ist der Weinstand eine gute Gelegenheit abseits eines Weingutbesuchs ein paar köstliche Weine wahlweise als Souvenir oder für den heimischen Genuss mitzunehmen und in lockerer Atmosphäre mit dem Winzer ein Weilchen zu plauschen. Unerfahrenen Weingenießer sei allerdings geraten, sich in den Sommermonaten gut einzucremen, da der Platz nur wenig Schatten bietet und es unter der Sonne Rheinhessen mächtig heiß werden kann. Im Wechsel bieten die Weingüter Spohr, Weinmann und Klosterhof Lösch aus Worms-Abenheim, Weingut Müsel und Schäfer aus Worms-Herrnsheim sowie Helmut Kloos aus Worms-Horchheim ihre Erzeugnisse an. In den Wintermonaten gibt es zwar keinen offenen Ausschank, aber die Möglichkeit zum Flaschenkauf. Die genauen Termine lassen sich hier entnehmen:

www.weinstadt-worms.de/weinstadt/home/Wormser-MarktWinzer.php

Wormser Weinmesse

Als man vor 16 Jahren die Wormser Weinmesse ins Leben rief, ging es in erster Linie darum, das Thema Wein im Stadtbild deutlich prominenter zu platzieren. Man kann unumwunden sagen, diese Mission ist geglückt. Nachdem man im vergangenen Jahr Corona bedingt absagen musste, hoffen die Veranstalter darauf, die beliebte Weinmesse an zwei Tagen im November dieses Jahr wieder durchführen zu können. Rund 50 Winzer, die meisten aus Worms und ein paar wenige aus dem Umland, laden im stilvollen Ambiente des Tagungszentrums zum Probieren und gemeinsamen Talk über Wein ein. Wahrscheinlich gibt es keinen besseren Ort, um sich über das reichhaltige Weinangebot der Stadt ein Bild zu machen. Themenorientierte Veranstaltungen, wie „Alte Reben“ oder „Wein und Schokolade“ ermöglichen in kleinen Gruppen ergänzend zur Messe ein intensives Eintauchen in die Geheimnisse des Weines. Da die Tickets begehrt sind, lohnt es sich, rechtzeitig sich selbige zu sichern. An der Tageskasse kann es schon mal heißen, leider ausverkauft!

Weitere Infos finden Sie hier: www.worms.de/weinstadt/weinmesse/

Wormser Vinothek – Eine feste Heimat für den Wormser Wein

Seit Anfang des Sommers 2019 hat der Wormser Wein endlich auch in der Innenstadt ein festes Zuhause. In der Wormser Vinothek am Parmaplatz haben sich 16 Winzer mit dem Stadtmarketing Worms e.V. zusammengeschlossen, um dem Weinliebhaber dort 80 ausgewählte Weine zu präsentieren, davon 16 im offenen Ausschank. Die Auswahl ist darauf abgestimmt, eine möglichst umfassende Übersicht über alle wichtigen Rheinhessischen Rebsorten zu gewähren. Mit Blick auf die farbenfrohen Grünanlagen nebst Luther-Denkmal fühlt man sich in Sommermonaten schon mal wie im Urlaub. Mediterrane Geselligkeit ermöglicht schnell das Kennenlernen zuvor fremder Menschen, sodass am Ende eines Vinothekabends auch schon mal neue Freundschaften fürs Leben geschlossen werden. Abgerundet wird der Besuch durch feine kulinarische Leckereine, die natürlich abgestimmt sind auf die Ansprüche der Weine. Wer es alkoholfrei mag, kann auf rundum erfrischenden Traubensaftschorlen zurückgreifen, die natürlich auch von den Winzern kommen. Kleine Konzerte, Lesungen und angeleitete Weinproben gehören ebenfalls zum Angebot. 

Mehr Informationen finden Sie unter: www.wormser-vinothek.de