Der Wormser Kultursommer 2026
Es ist was los in der Nibelungenstadt
Worms blüht auf am 11. und 12. April
Aufgrund seiner geografischen Lage ist Worms, was das Wetter betrifft, den meisten Regionen in Deutschland meist ein paar Wochen voraus. Sprich, wo woanders der Frühling sich noch ein wenig sträubt, Knospen sprießen zu lassen, betört die Kirsch- und Mandelblüte in Rheinhessen bereits ab Anfang März die Augen und verführt mit ihrem zarten Duft. Klar, dass es dementsprechend im April dann heißt „Worms blüht auf“. Hier ist der Name Programm. Auch in diesem Jahr präsentieren bei „Worms blüht auf“ zahlreiche Gärtnereien, Floristen, Kunsthandwerker, Dekorateure und weitere Betriebe ihre Produkte und Ideen zur Verschönerung von Garten, Balkon und Zuhause. Als wäre das nicht schon genug Natur in der City, verwandelt das Grünflächenamt sowie die städtischen Gärtner des Entsorgungs- und Baubetriebs der Stadt Worms (ebwo) die zahlreichen Grünflächen in der Innenstadt in ein Blumenmeer. Selbstverständlich wird hier nichts dem Zufall überlassen und so gibt es natürlich auch ein Farbthema uns das hört in diesem Jahr auf das Motto „Orange-Lila-Weiß“. Bereits im Herbst wurden insgesamt 40.000 Blumen gepflanzt, die nun bei steigenden Temperaturen ihre Blüten entfalten. Hinzu kommen 27.000 Tulpen in 18 Sorten, die ebenfalls im Herbst gesetzt wurden. Alle Pflanzen wurden von der Stadtgärtnerei produziert. Der Einzelhandel hat wiederum am Samstag regulär geöffnet, während die Wormser Innenstadt einen Tag später in der Zeit von 13 bis 18 Uhr zum verkaufsoffenen Sonntag lädt.
Für Kinder bietet die Lutheranlage vielfältige Spielmöglichkeiten. Auf dem Marktplatz stellen regionale Autohäuser ihre aktuellen Modelle vor. Vor der Dreifaltigkeitskirche können sich Besucher über verschiedene E-Bike-Modelle informieren und beraten lassen. Kulinarisch wird ebenfalls einiges geboten: Von herzhaften Speisen über süße Spezialitäten bis hin zu erfrischenden Getränken ist für jeden Geschmack etwas dabei. Selbstverständlich dürfen in einer Weinstand diverse Winzerstände auch nicht fehlen. Gastronomie- und Schaustellerbetriebe sowie örtliche Vereine tragen ebenfalls dazu bei, dass auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt. Am Römischen Kaiser präsentieren sich zudem die Wormser Feuerwehr und der DRK-Kreisverband Worms im Rahmen einer kleinen „Blaulichtmeile“.
Weinmeile im Wormser Stadtmauergraben vom 23. bis 26. April
Es gab eine Zeit, da wurde inmitten der Wormser Innenstadt Wein angebaut. Das ist aber längst Vergangenheit. Heute erinnert lediglich eine kleine Parzelle am Ende des Stadtmauergrabens an diese Tradition. Die hört wiederum auf den Namen Luginsland und wird bis heute durch ein Wormser Weingut gepflegt. Einmal im Jahr, ein paar Meter weiter, vom Wergers Eck bis zur Wormser Vinothek am Parkplatz, feiern Winzer und Besucher diese Weinbautradition bei der sogenannten Weinmeile. Auf dieser Meile vorbei am historischen Luther Denkmal präsentieren rund zwanzig Weinbaubetriebe ihre Produkte.
Zugleich bietet sich die Gelegenheit, mit Winzerinnen und Winzer auch ein wenig über deren Tröpfchen zu unterhalten. Daneben lohnt sich natürlich auch ein Besuch der Wormser Vinothek am Parmaplatz oder eine Schorle-Erfrischung oder auch ein Wormser Bier aus der Brauerei Sander zu genießen. Für Kinder gibt es auf dem Platz der Partnerschaft mit Hüpfburg und Programm des SSC Trappenberg einen eigenen Treffpunkt. Weinliebhaber können mit dem Bummelpass, der nach dem Kauf einen bargeldlosen Genuss an jedem Weinstand garantiert, flanieren.
Vino et Musica vom 14. bis 16. Mai im Öko-Weingut Helmut Kloos / Worms Horchheim
Helmut Kloos ist ein echtes Wormser Original. Nicht nur dass er der erste Winzer in der Nibelungenstadt war, der bereits in den frühen 90er Jahre seinen Betrieb auf ökologischen Weinanbau umstellte, vielmehr steht sein Name auch für Kultur und einen verschmitzten, oftmals skurrilen Humor. Beides begegnet einem bei einem Besuch des beliebten Hoffestes Vino et Musica in Worms-Horchheim. Los geht das Hoffest traditionell an Christi Himmelfahrt mit einer musikalischen Weinprobe am Vormittag. Dazu werden kleine, liebevoll zubereitete Häppchen gereicht. Wer es etwas deftiger mag, kann natürlich auch eine Bratwurst frisch vom Grill oder andere Leckereien genießen. Der Winzer selbst erzählt derweil in seiner gewohnt liebevollen Art etwas über die gereichten Weine. Das Abendprogramm der kommenden Drei Tage steht zwar auch im Zeichen des Weingenusses, aber eben auch der musikalischen Unterhaltung. Statt Informationen zum Wein, gibt ein Programm zwischen Rock, Folk oder auch mal Blues. Tanzen ist an diesen Abenden unbedingt erwünscht.
Spectaculum vom 15. bis 17. Mai im Wormser Wäldchen
Sie interessieren sich fürs Mittelalter, wollen Feldschlachten erleben oder erfahren, welche Kräuter sich als Heilmittel eigenen und welche als Gewürz? Nebenbei möchten sie noch ein paar deftige Open-Air-Konzerte erleben, einen Sauschwanz vom Grill genießen oder ein wenig das Schießen mit Pfeil und Bogen üben? Dann ist das „Spectaculum“ im Wormser Wäldchen absolute Pflicht für Sie. Was einst als kleines Treffen gleichgesinnter Mittelalter Fans begann, ist heute bekannt als größter Mittelaltermarkt im Südwesten Deutschlands. Rund 20.000 Menschen pilgern jährlich zu dem ausdrücklich familienfreundlichen Fest, das mit ebenso familienfreundlichen Preisen begeistert. Oder wo bekommen Sie ein Open-Air-Event nebst drei großen Live-Konzerten für unter 15 Euro geboten. Zugegeben, man muss natürlich auch ein Faible für mittelalterlich geprägten Rock haben. In diesem Jahr gehört der Freitagabend der Band „Haggefugg“. Seit 2015 steht die Band für energiegeladenen, ehrlichen Mittelalterrock – handgemacht, bodenständig und mit ordentlich Wumms. Mit Dudelsäcken und Schalmeien in Rockbesetzung bringt Haggefugg die Bühne zum Beben, während eigene und althergebrachte Melodien auf frische Weise erzählt werden. Im Anschluss folgt noch eine absolut sehenswerte Feuershow.
Am Samstagabend versprechen Koenix eine absolut irren Musikmix. Die Band Koenix aus der Schweiz liefert explosiven Mittelalterrock, der direkt in die Beine geht. Mit Dudelsack, Drehleier, Sitar, Hackbrett und Flöten verbinden sie Folk- und Mittelalterrock mit Einflüssen aus Electronica und Ska – und das in gleich mehreren Sprachen. Das Finale am Sonntagnachmittag gehört wiederum „Spilldeyvel“. Die mittelalterliche Musikgruppe aus den Trierer Landen steht seit 2020 für authentische, humorvolle und energiegeladene Shows. Mit vielen eigenen Liedern nehmen sie euch mit auf eine musikalische Reise – von fröhlich und tanzbar bis hin zu melancholisch und verträumt. Mit donnernden Trommeln, dudelnden Säcken und jeder Menge Spielfreude entfesseln die teuflischen Musikanten ihre Energie auf der Bühne. Neben der großen Hauptbühne am Fuße des vermeintlich höchsten Hügels von Worms, dem Äschebuggel, spielen auf einer weiteren Nebenbühne authentische Mittelaltergruppen Minnegesänge oder anderes Liedgut. Dominiert wird das große Gelände wiederum von einer Händlermeile und diversen Zeltdörfern, in denen sich das Leben im Mittelalter beobachten lässt. Seit zwei Jahren findet während des Spectaculum auch der „Fafnir-Cup“, ein nationales Vollkontakt-Einladungsturnier der Eisenliga, statt.
RheinRadeln am 17. Mai zwischen Oppenheim und Worms
Wem der Kopf an diesem Wochenende nicht nach Mittelalter steht, kann sich natürlich auch aufs Fahrrad schwingen und am Rheinradeln teilnehmen. Das EWR-RheinRadeln ist das größte aktive Volksfest in Rheinhessen und verwandelt einmal im Jahr die alte Bundesstraße 9 (B9) in eine gigantische Erlebnismeile für Radfahrer, Skater und Fußgänger. Auf einer Strecke von rund 25 Kilometern zwischen Worms und Oppenheim gehört der Asphalt ganz den unmotorisierten Teilnehmern. Die Straße wird für den Autoverkehr komplett gesperrt. Das Besondere am RheinRadeln ist nicht nur das Fahren auf der freien Straße, sondern das riesige Rahmenprogramm. Zahlreiche Winzerhöfe, Vereine und Gastronomen in den Orten entlang der Strecke (wie Guntersblum, Alsheim und Mettenheim) laden zu Pausen mit regionalen Spezialitäten und rheinhessischem Wein ein. Auf mehreren großen Bühnen sorgen Radiosender und lokale Bands für Live-Musik. Es gibt Mitmachaktionen, Gewinnspiele und Infostände.
Pfingstmarkt vom 23. bis 31. Mai auf dem Festplatz Kisselswiese
Neun Tage lang verwandelt sich der Festplatz direkt am Rheinufer in eine bunte Erlebniswelt aus Nervenkitzel, Genuss und Geselligkeit. Als klassisches Familienvolksfest verbindet der Pfingstmarkt moderne Fahrgeschäfte mit der gemütlichen Atmosphäre einer historischen Händlermeile. Ein fester Bestandteil des Programms ist der beliebte Familientag (meist am Donnerstag), der mit ermäßigten Preisen und besonderen Aktionen lockt. Ein optisches Highlight ist zudem das traditionelle Ballonglühen, das bei Einbruch der Dunkelheit für eine magische Kulisse am Rhein sorgt.
Kulturnacht am 13. Juni 2026 Wormser Innenstadt
Kultur ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ganz in diesem Sinne zeigte Worms bei der jährlich stattfindenden Kulturnacht eine kreative Stadtgesellschaft, die sich auf Malerei genauso gut versteht wie in Sachen Literatur, Schauspiel oder Musik. Zugleich zeigt sich die Wormser Innenstadt in dieser Nacht von seiner attraktivsten Seite. Entspannte Menschen verweilen an stimmungsvollen Orten zwischen Museum der Stadt Worms im Andreasstift, dem Dom St. Peter, dem Heylshofmuseum oder auch der Synagoge. Nachbarschaftsvereine, wie das Hamburger Tor in der Wormser Altstadt zelebrieren an diesem Abend den gemeinschaftlichen Charakter eines Straßenfestes in einer lauen Sommernacht, während auf dem Obermarkt im Herzen der Innenstadt sich Bands den Taktstock gegenseitig überreichen, um den Platz in eine einzige Konzert Arena zu verwandeln. Kurzum, eine Nacht so vielfältig wie das Leben.
„Die Hunnenkönigin“ – Nibelungen-Festspiele vom 17. Juli bis 2. August
„Britische Exzentrik trifft Deutschen Urmythos“ schrieb ich über die Vorstellung des Stücks „Die Hunnenkönigin“ im Rahmen meiner Arbeit für WO! Das Wormser Stadtmagazin. Diese Erkenntnis bezieht sich darauf, dass erstmals in der 24 Jahre alten Geschichte der Nibelungen-Festspiele erstmals ein Kreativteam von der britischen Insel die künstlerischen Geschicke der Nibelungen übernimmt. Geschrieben und inszeniert wird das Stück, in dem Brünhild als titelgebende „Hunnenkönigin“ im Mittelpunkt steht, von Oliver Lansley und James Seager. Bekannt sind sie vor allem in Großbritannien als die Gründer der Theaterkompanie „Les enfants terribles“. Das steht vor allem für irrwitzige, visuell berauschende Inszenierungen. In eigenen Worten heißt das: „Bekannt für unsere auffällige visuelle Ästhetik und innovative Verwendung von Requisiten, Puppenspiel und Live-Musik, streben wir ständig danach, neue Wege zu erkunden, Geschichten zu erzählen und mit unserem Publikum in die seltsamen und wunderbaren Welten einzutauchen, die wir in unseren Shows schaffen.“
Im Mittelpunkt der Geschichte steht, der Titel verrät es bereits, Kriemhild, die am Hofe König Etzels zur Hunnenkönigin wird und, wie sollte es anders sein, natürlich nach Rache giert. Dafür ist sie bereit, die Welt in Flammen zu setzen. Das Altbekannte neu erzählen, ist dann auch die Herausforderung, die Lansley und Seager reizt: „An der epischen, reichhaltigen und komplexen Geschichte der Nibelungen zu arbeiten und der langen Reihen von großen Interpretationen unsere eigene hinzuzufügen, ist eine aufregende Herausforderung“. Zugleich versprechen sie: „Als englische Theatermacher wollen wir dieser berühmten deutschen Sage mit all der Begeisterung und Energie, aber auch mit dem kreativen Respekt begegnen, die sie verdient.“ Während das Geheimnis der Besetzung und weitere Details zur Aufführung erst Ende April folgen, wurde zwischenzeitlich schon mal bekannt, dass man musikalisch schon mal einen prominenten Gast auf der Bühne. Die erfolgreiche Sängerin Alice Merton wird gemeinsam mit dem erfahrenen Bühnenkomponisten Alexander Wolfe die musikalische Ausgestaltung dieser Reise in das Herz der Finsternis übernehmen.
Die Fotos zum Beitrag sind aus der Inszenierung „See aus Asche“ aus dem Jahr 2025
Jazz and Joy vom 21. bis 23. August rund um den Dom St. Peter
Seit 35 Jahren gehört das Festival zu den regionalen Topfestivals. Wie der Name schon verrät spielt Jazz eine nicht ganz unwichtige Rolle. Im Laufe der Zeit entwickelte das Festival allerdings eine große Leidenschaft für die Joy-Momente des Lebens. Verteilt auf vier Bühnen rund um den Wormser Dom hat der Zuschauer die Möglichkeit, rund 30 Bands an diesem Wochenende zu lauschen. Das diesjährige Programm verspricht einmal mehr hochkarätigen Musikgenuss. Am besten fassen wir es in den Worten der veranstaltenden Kultur- und Veranstaltungsgesellschaft zusammen: „Während Vincen García als einer der gefragtesten Bass-Virtuosen der Gegenwart mit seinen hochenergetischen Funk- und Fusion-Grooves beeindruckt, bringt Emma Smith den Glanz der Londoner Jazzszene nach Worms.
Bei MUNDAY trifft analoge Wärme aufklaren, modernen Pop mit treibenden Live-Grooves und melodischen Hooks, die im Ohr bleiben. Mit tiefgehenden Basslinien und souliger Finesse sorgt die VRONI FRISCH BAND für echte Gänsehaut-Momente. Die South West Oldtime All Stars haben sich voll und ganz dem authentischen Sound des frühen Jazz verschrieben. Minimalistische Präzision und cineastische Jazz-Momente von seltener Intensität gibt es mit Kalkyl.“ Natürlich ist das noch längst nicht das komplette Programm, wie beispielsweise Thomas D & the KBCS. Ja, genau der Thoma D. von den Fantas. Neben dem offiziellen Festivalprogramm gibt es auf der größten Bühne auf dem Marktplatz noch ein Sonderkonzert, das nicht in das Wochenendticket integriert. Dieses bestreitet in diesem Jahr der erfolgreiche Deutsch-Pop-Singer Songwriter Clueso. Mit im Gepäck hat er natürlich das neue Album „Deja Vu 1/2“ und natürlich jede Menge Hits, wie der Song „Zusammen“.
Backfischfest vom 28. August bis 6. September auf dem Festplatz Kisselswiese
Für die meisten Worms ist das Wein- und Volksfest auf der Kisselswiese unweit des Rheinufers nichts weniger als der ultimative Partyhöhepunkt des Jahres. Neun Tage erinnert das Fest an das Brauchtum der längst vergangenen Fischerszunft in Worms. Gelebt wird dieses Brauchtum vor allem durch den Brauchtumsverein Fischerwääder e.V., die ein fester Bestandteil des Backfischfestes sind und dementsprechend in unmittelbarer Nähe, der Kleinen Fischerweide, die kleinste Kerb im Südwesten Deutschlands feiern. Klein nicht etwa, weil sie nur spärlich besucht wird. Ganz im Gegenteil. Einmal im Jahr verwandelt sich die kleine Seitenstraße, die ehemals von Fischern bewohnt war, für einen Abend in eine Partymeile mit Live Musik, Gesprächen und Genüssen. Denn dann wird traditionell an einem Mittwoch die Fischerwääderkerb gefeiert. Festzelte auf dem Festplatz laden mit wechselndem Programm wiederum neun Tage zu einem abwechslungsreichen Programm, zu dem Weinproben, Live Musik und DJ Party gehören. Auf dem Platz sorgt ein bunter Mix aus Fahrgeschäften für Nervenkitzel oder einfach nur Spaß.























































