Ein Besuch in der Altstadt und entlang der Stadtmauer

Die Stadt Worms gehört zu den ältesten Städten Deutschlands und blickt auf eine mehr als zweitausendjährige Geschichte zurück. Als bedeutende Siedlung der Römer, als freie Reichsstadt des Mittelalters und als Schauplatz zahlreicher historischer Ereignisse hat Worms bis heute einen besonderen Platz in der deutschen Geschichte. Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen dieser Vergangenheit zählt die Stadtmauer, die über Jahrhunderte das Stadtbild prägte und den Bewohnern Schutz bot. Dennoch konnte auch die Befestigung nebst Stadtmauergraben die Feinde letztlich nicht davon abhalten, jene Mauer bei den großen Stadtzerstörungen in den Jahren 1689 und 1945 zu Fall zu bringen.

Obwohl sie heute nur noch in Teilen erhalten ist, vermittelt sie einen anschaulichen Eindruck von der einstigen Größe und Bedeutung der Stadt. Die Stadtmauer ist insofern weit mehr als ein historisches Bauwerk aus Stein. Sie erzählt von politischen Veränderungen, wirtschaftlichem Aufschwung, militärischen Herausforderungen und dem Alltag der Menschen im Mittelalter. Gleichzeitig verbindet sie Vergangenheit und Gegenwart und ist somit für uns Menschen von heute eine Möglichkeit zu erahnen, wie sich das Leben vor rund 500 bis 1000 Jahren angefühlt haben muss und ist insofern ein bedeutendes Kulturdenkmal.

Stadtmauer gestern und heute
Die Geschichte der Wormser Stadtbefestigung reicht bis in die Römerzeit zurück. Bereits im 4. Jahrhundert entstand zum Schutz der römischen Siedlung eine erste Befestigungsanlage. Diese diente dazu, die Bevölkerung vor Angriffen germanischer Stämme zu schützen. Nach dem Ende der römischen Herrschaft verfielen Teile der Anlagen, doch ihre Grundstrukturen beeinflussten spätere Befestigungen.

Mit dem wirtschaftlichen und politischen Aufstieg von Worms im Hochmittelalter wuchs auch der Bedarf nach einer leistungsfähigen Stadtverteidigung. Besonders im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich Worms zu einer bedeutenden Handels- und Reichsstadt. Händler, Handwerker und Geistliche sorgten für Wohlstand, gleichzeitig stieg jedoch die Gefahr von Angriffen rivalisierender Herrscher oder plündernder Truppen.
In dieser Zeit entstand die mittelalterliche Stadtmauer, deren Verlauf große Teile der damaligen Stadt umschloss. Ursprünglich umfasste die Stadtmauer eine Strecke von knapp 2,7 Kilometern. Acht Tortürme gewährten einen Zu- und Ausgang in die freie Reichsstadt Worms. In der Höhe maß die Mauer 6,30. 28 Türme, verteilt auf die Strecke, garantierten einen tiefen Blick ins Umland, während ein Turm, der Folterturm, eher für sagen wir mal stadtinterne Probleme genutzt wurde. Direkt gegenüber der Errante Apartments befindet sich die Herta-Mansbacher-Anlage, die einst Stadtmauergraben war und an deren Nordseite sich der Folterturm befand. Heute sind nur noch Grundrisse des Turms erkennbar.
Direkt unterhalb dieser Turmfragmente befindet sich übrigens das Stadtmauerspiel, dass nicht nur für die kleinen Worms Besucher spannend sein dürfte. Vielmehr gewährt das 1994 angelegte Modell auch allen anderen Interessierten einen Eindruck davon, wie die Stadtmauer einst aussah. Ebenfalls auf dieser Seite der Befestigung befindet sich auch die Martinspforte. Das stattliche Tor, das Besucher vom Norden in Empfang nahm, überlebte die zweifache Stadtbombardierung 1945.

Doch nicht nur Stadtzerstörungen setzten der Mauer zu, sondern auch die Bürger selbst. Im 19. Jahrhundert begann vielerorts der Rückbau alter Stadtmauern, da sie die Ausdehnung der Städte behinderten. Auch in Worms wurden zahlreiche Mauerabschnitte und Tore abgetragen, um Platz für neue Straßen und Gebäude zu schaffen. Gleichzeitig entwickelte sich jedoch ein wachsendes Bewusstsein für den historischen Wert der erhaltenen Bauwerke. Erste Maßnahmen zur Denkmalpflege sorgten dafür, dass bedeutende Teile der Stadtmauer erhalten blieben.

Komplett verschwunden ist die Mauer vor allem in westlicher Richtung. Heute erinnert lediglich der Graben, der als Grünanlage genutzt wird, zwischen Adenauerring (unweit von Errante) und Lutherplatz an diese Stadtbefestigung. Zugleich ist ein Abschnitt dieser Grünanlage auch Heimat des Luther Denkmals, dem weltweit größten begehbaren Reformationsdenkmal (Hier finden Sie mehr Informationen über Luther in Worms (https://nibelungen-apartments.de/das-wormser-luther-dossier/ ). Erkennbar sind Fragmente der Mauer dann wieder in der Höhe des Musum Heylshof und dem Dom Bezirk. Von dort erstreckt sich das historische Gemäuer mit Lücken bis zur Schönauer Straße, Ecke Valckenbergstraße. Insbesondere dieser letzte Teilabschnitt in der sogenannten Ringanlage ist ein Besuch wert. Den dort bekommt man nicht nur einen Eindruck historischer Baukunst, die mit moderner Baukunst in den vergangenen Jahren erfolgreich für die Zukunft gesichert wurde. Nein, auch der Weinbau spielt wie so oft in dieser Stadt dort eine bedeutende Rolle. Hier befanden innerstädtische Hanglagen, die unter anderem auf so schöne Namen wie Luginsland hörten. Heute erinnern Hinweisschilder und Reben an historische Weinsorten, wie der Blaue Muskateller, an diese Zeiten. Einmal im Jahr, nämlich im April, wird im Stadtmauergraben zwischen Lutherplatz und Andreastor die Weinmeile mit rund lokalen 20 Winzern gefeiert.
Einen weiteren erhaltenen Stadtmauerabschnitt findet sich im Osten der Innenstadt und schützte die Menschen vor Angreifern, die über den Rhein kamen. In Zeiten vor der Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert verlief dieser mit seinen unzähligen Armen bis kurz vor diese Mauer. Hier finden Sie auch ein drittes und letztes erhaltenes stattliches Eingangstor. Bis vor wenige Jahren klärte hier auch das Nibelungenmuseum über die sagenhafte Geschichte von Siegfried, Kriemhild und co. Im Zuge von zahlreichen Mängeln, die zu beheben einen mittleren Nibelungenschatz kosten würde, wurde das Museum geschlossen. Wichtige Teile dieser Ausstellung befinden sich nun im städtischen Museum im Andreasstift, das im Übrigen direkt an das Andreastor anschließt. Auf der Außenseite der Stadtmauer befindet sich auch der Torturmplatz und ein symbolisches Siegfried Grab. Geschaffen wurde es von dem Wormser Konzeptkünstler Eichfelder. Ein aufgeschütteter Hügel flankiert von zwei Hinkelsteinen erinnert an den kühnen Recken, der von Hagen hinterrücks ermordet wurde.

Ab in die Altstadt
Gegenüber dieses Mauerabschnitts beginnt auch die Wormser Altstadt. Ähnlich wie der Rest der Innenstadt erfuhr auch die Altstadt massive Schäden durch das Bombardement am Ende des Zweiten Weltkriegs. Erhalten blieben vor allem der Grundriss mit seinen engen Straßen, Teile der Stadtmauer sowie die Kirche St. Paulus, die allerdings nicht mehr für Gottesdienste genutzt wird. Erste Abschnitte der Kirche entstanden Mitte des 11. Jahrhunderts. Auffällig sind vor allem die abgerundeten Kuppeldächer der Kirchtürme im byzantischen Baustil. Inspiriert wurden diese durch Eindrücke von Kreuzrittern nach ihrer Rückkehr in die Heimat. Zwar wurde die Kirche sowohl 1689 als auch 1945 stark beschädigt, doch konnte viele Elemente gerettet und wieder hergestellt werden.

Die Synagoge in der Judengasse wurde wiederum schon vor Beginn des Zweiten Weltkriegs durch die Nazis zerstört und in den 60er Jahren auf Basis der originalen Pläne wieder aufgebaut. In den vergangenen Jahren wurde auch die Mikwe, das jüdische Ritualbad aufwendig saniert, nachdem ein Pilzbefall drohte das Mauerwerk für immer zu zerstören. Während die Synagoge mit entsprechender Kopfbedeckung bei Männern täglich besucht werden kann, kann die Mikwe nur in Reisegruppen mit vorheriger Anmeldung besucht werden. Termine können über die Wormser Tourist Info gebucht werden.

Selbstverständlich sollte man bei dieser Gelegenheit auch dem Friedhof „Heiliger Sand“, der ebenfalls zum Unesco geschützten SchUM Erbe der Stadt gehört, besuchen. Das pulsierende Herz der Altstadt ist wiederum der Nachbarschaftsverein „Hamburger Tor e.V.“, die in der Bärengasse ein Lokal betreiben, das allerdings nur für Konzerte, Lesungen, Workshops etc öffnet. Die Veranstaltungen sind kostenfrei und werden auf der Homepage rechtzeitig eingestellt. Ein Meter weiter in der Rheinstraße befindet sich außerdem das Weinlokal „Krappenbau“, das natürlich mit rheinhessischen Weinen und kleinen deftigen Köstlichkeiten lockt. Auch hier lädt der Inhaber zu gelegentlichen Konzerten oder Partys.

Wenn Sie nach einem Besuch dann wieder durch die Martinspforte zu Errante Apartments schlendern, haben sie es geschafft und sind zu Fuß einmal durch zweijahrtausende Geschichte marschiert.

Weitere Informationen zur Stadtmauer finden Sie hier:
https://www.worms-erleben.de/erleben/entdecken-und-staunen/sehenswuerdigkeiten/stadtmauer.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbefestigung_Worms